14.08.26, 22 Uhr – Beiträge vorab, da wir morgen früh wieder loswerfen und erstmal unterwegs sind – alles weitere tragen wir nach. Einige davon haben wir schon erlebt – einiges kommt wohl erst noch. 🙂
1. Aktualisiert am 01.09.26 – Læsø ergänzt.
Hals – Læsø – Anholt – Samsø – Langeland – Kiel
SOMMERTÖRN 2026 – dritter Teil
Es geht weiter. In Hals haben wir uns – nicht zuletzt dank des feinen Hafenmeisters Søren – sehr wohlgefühlt. Wir lösen die Landleinen um 11:30 Uhr bei Süd-Ostwind um Stärke 4.
Auch auf diesem Teil unseres Sommertörns werden wir (wetterbedingt) mal wieder zu kleinen Streichkönigen.
Læsø erreichen wir gut. Das liebgewonnene Anholt wird diesmal Backbord querab liegen bleiben – wir entscheiden angesichts der größeren Windsituation später, direkt nach Samsø weiterlaufen zu wollen. Auch im Rückblick von uns: Eine wirklich gelungene Entscheidung. Gut so! Aber das kommt alles erst noch:
Ostsee | von Nord nach Süd
TRACK – HALS BIS LÆSØ

Sonntag, 09.08.2026
Ostsee | Hals – Læsø
Gleich nach der Hafenausfahrt steht das Groß bereits. Wir werden schneller … 😄
Die Ostsee gibt sich wirklich alle Mühe, uns Nordsee-Segler aufs Herzlichste Willkommen zu heißen – mit Sandbänken (!) und Seehunden drauf (!!), mit einer steilen, kurzen Welle gegenan, daß uns das Wasser und die Gischt nur so um die Ohren fliegt – und auch kleine ‚Leuchttürme‚, liebevoll vor die Küste gebaut erzeugen für uns absolute „Heimat-Gewässer-Gefühle“ 😁 Was für ein schöner Einstieg! Vielen Dank!
Wir dampfen zunächst stampfend und kräftig gegenan, bis wir soweit von der Küste frei sind, wie wir das gerne mögen. Dann schwenken wir ein – und unsere Kurslinie knickt nach Backbord ab – Steuerkurs Nord-Ost. Anlieger auf Hafen Læsø! 👍
Ein schneller Blick zurück – (Hals hat uns viel besser gefallen, als der Ruf in Foren und Möchtegern-Reiseführer-Büchern so vermuten ließ) – und die Ostküste des dänischen Festlandes achteraus wird langsam kleiner.
HALS, Blick nach West zurück.

Voraus hingegen rumpelt es für uns zunächst. Wir stampfen gegen die Welle an. Knapp 5 Seemeilen, etwas über eine Stunde ging das so.
Gegenan

Allerdings hat die lokale Kurverwaltung sich wirklich alle Mühe gegeben, daß wir uns hier im Revier von Beginn an heimisch und wohl fühlen 😂 – gefällt uns SEHR!
Wir halten auf „Leuchttürme“ zu, fahren eng an Sandbänken entlang, auf denen sich Tierchen in der Sonne aalen. „Hah, jetzt fehlen nur noch …“.
Nordsee-Feeling auf der Ostsee

„… Robben oder Seehunde, oder?!„. Was als Scherz gedacht war, wurde direkt von MALAs leistungsfähigem Ausguck konterkariert:
„Da! Da hast Du Dein Seegetier. Liegt direkt zwischen dem Federvieh mit auf der Bank rum!„.
Einer von uns erkannte da zwar nichts 😉 … die hochauflösenden Bilder im Nachhinein gaben der scharfsichtigen Skipperin natürlich Recht:
Es sind mindestens 8 Tiere mit dabei. Vielleicht mehr. Willkommen auf der Ostsee mit echtem Nordsee-Feeling als Einstieg!
Leben auf der Sandbank.

Weiter draußen wollen wir fahren.
Auch, wenn nicht wirklich viel Wind ist, mag ich nicht ohne Not gerne dicht vor einer nicht gut bekannten Leeküste herumsegeln.
Wir haben SE um 4 Windstärken. Und weiter draußen … unsere besondere Ruhe.
Da fährt anscheinend derzeit keine Sau. Wir schon. 🙂 Gut so.
Am Turm spätestens links ab.

Wenn man so gar nicht selbst steuern muß … und rundum ferner so ganz und gar nix los ist bis zum Horizont …
Wenn das Wetter lieblich und ohne Schweinereien mit stabilem Wind die eh‘ gerefften Segel füllt und das Boot wie entfesselt auf Anlieger läuft, ohne jegliches Zutun (oder gerade deshalb?! 😉 …) …
Dann bleibt uns nichts, als zu genießen.
Wir hängen rum. An Deck. Mal vorne am Bug …
Rumhängen an Deck I

… mal achtern im Cockpit …
Rumhängen an Deck II

Traumhaft! Was macht man mit so einem Traumsegeltag?! Richtig: Die Crew pflegen.
Und das tun wir, und wie. (Die Schlagsahne unterschlage ich hier, um nicht in den Ruf einer vollkommen exzessiv schlemmenden Crew zu geraten, kaum, daß der Kahn außerhalb Landsicht segelt …)
Crew-Pflege.

Wir fassen es gar nicht, mit riesigen Schritten geht’s unserem kleinen „Traumziel“ entgegen.
„Land hooooo!“ erschallt’s an Deck. 15:50 Uhr. „Wat? Wo?“ – „Na DA, Mann! Klar und deutlich! Hinter dem Schubverband.“ … Ach komm …
Nur eine knappe halbe Stunde kann der maulwurfartig Ausschau haltende Skipper noch lautstark ergänzen: „LAND HOOO!„. 😎 Na also.
Sekunden später gehen wir dann bereits die Segel bergen und direkt in die Ansteuerung! 😉 Ich freue mich wie Bolle.
LÆSØ – Einlaufen.

Læsø empfängt uns freundlich und mit offenen Armen. GANZ klar Nachsaison bereits hier. Unheimlich viel frei.
Wir haben luxuriöse Auswahl und entscheiden uns mit Hinblick auf den anrückenden Starkwind (Böen in den 30ern sind vorhergesagt) aus West für einen besonders nett geschützten Platz.
Mit eigener kleiner Holzhütte in West davor – traumhaft. Auf dem Suchbild ist MALA mittig erkennbar.
Hafensicht Læsø.

Was hatten wir doch für ein Pech mit den Moorings.
Die kennen wir von diversen Segeltörns im Mittelmeer gut – und sind da eigentlich routiniert mit im Umgang. Rückwärts dampft MALA an den schönen hölzernen (wenngleich hohen) Steg.
Eine Behilfs-Spring auf den großen Nebenlieger (Mittelklampe) trifft und hält. Achterleinen am Steg gehen über und werden von freundlichen Helfern gefangen und belegt.
Gewonnen, jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Das tat gut.
Die Maschine geht voraus (um uns die Windfahnen achtern am Steg nicht zu verbiegen) – und Gesche und ich fischen die Leinen der Moorings am Heck aus dem Wasser und tragen sie erfreut nach vorne in Richtung Bug.
Aber was ist da los? Gesche zieht verdattert immer mehr Leine im Kreis aus dem Wasser – kommt irgendwann auf die schweren Ketten, die das Geschlängel ja unten halten sollen – aber es kommt kein Zug drauf.
Unsere Helfer an Land feixen – „na, noch keine Mooring-Erfahrung, hmm?„. Grrmpft. Verflixt. Da paßt was nicht.
Wir nehmen schnell die andere (Lee-) Seite. Fischen, holen, ziehen – und sieh da – die Leine kommt direkt steif, wie sie soll. Es geht doch.
Wir liegen erstmal. Bedanken uns herzlich für das Leinen-Annehmen bei den Nebenliegern – und sind angekommen. Auf LÆSØ! 😎
Die nächsten 30 Minuten sind nur noch Schönheit an Deck, Setzen von mehr Leinen, doppelten Springs als Stütze für die Mooring-Leine – und ein erstes Aufklaren.
MALAs Liegeplatz.

Dann eine schnelle Hafenrunde, zahlen, das übliche Ringen mit den Bezahl-Querelen an Stromsäulen.
Das ist hier anscheinend flächendecken zum Seglersport geworden, ich sah früher (mit uns) nie so viele Segler ratlos QR-Codes scannen oder Knöpfe an wilden Benutzerführungen drücken und Karten aus Automaten hoffend davor halten …
Dann genießen wir unheimlich. Wunderschön & lange in den Abend hinein. Und feiern unsere Ankunft auf Læsø!
Ich sitze viel später mit dem x-ten Absacker noch lange leise alleine mit dem Wind im Cockpit und im der schönen Nacht. Zufrieden. SEHR.
Ein Traum geht endlich in Erfüllung. Top!! 🍺🍺
Morgen bleiben wir hier. Gehen Salzwunder entdecken, fahren Hunde in lustigen Transporträdern durch die Gegend, gehen baden und schlemmen …
Montag, 10.08.2026
Ostsee | Læsø – LANDTAG
Eine salzige Angelegenheit … wir besuchen die Salzsiederei. Und gondeln über die schöne Insel.
Unsere ersten Wahrnehmungen beim Wachwerden: „Der Wind ist da!„. Und wie! Es heult und pfeift in den Riggs rundum. Wir hören es gedämpft unter Deck in unseren Kojen … und so langsam sickert ein: „Wir sind auf Læsø!“ 😅
Da ist sie wieder – unsere kleine Freude, daß wir das tatsächlich endlich mal geschafft haben. Und so hält es uns nicht in den Kojen – auf besonderen Rat aus dem Segeln-Forum müssen wir einfach die bekannte lokale Salzsiederei besuchen. Das wollen wir wohl tun. Feine Sache, wir freuen uns!
Ein erster Blick an den (leeren) wellenumtosten Strand macht weitere Vorfreude auf unser späteres Bad an ebendiesem. Aber noch ist das nicht soweit.
Wildes Willkommen.

Die Skipperin koppelt den geplanten Besuch der traditionellen Siederei direkt an den lang gehegten Wunsch, den Schiffer mal strampelnd seinen eigenen Hund per Fahrrad durch die Landschaft chauffieren zu sehen 😁 – und so kommt eins zum anderen … was soll ich sagen?!
Mia gefällt’s ganz außerordentlich. Damit hatten wir gar nicht gerechnet.
Wir scheuen keine Mühen …

„Hunderte, ach, was schreibe ich, Tausende von zähen Kilometern kämpfen wir uns im gar tosenden Sturm mühsam und gegen alle Widrigkeiten über die Insel irrend knallhart bis an das geheime Ziel …“ 😉 … oder so.
Es könnten auch derer lediglich acht gewesen sein, komfortabel mit elektrisch unterstütztem Rad des Verleihers gleich am Hafen – und das bei besten Wetter und nur lebhaftem Wind … aber wer weiß das schon.
Dann ist es soweit: WEISSES GOOOLD voraus! 🏴☠️
Schließlich finden wir ihn …

Auf einem total niedlichen, wiederbelebten, traditionellen Anwesen sieden die Dänen wie anno dunnemals … SALZ. Und verpacken dies nicht nur in Plastik und Jute, sondern bieten auch kleine Behältnisse feil, an denen wir wohl nicht vorbei konnten.
… diesen ‚geheimen‘ Ort 😉

Wir pirschen uns weiter vor – und lernen, daß wir gerne gesehene Gäste sind. Vor allem, wenn interessiert. Und das waren wir!
Alchemistische Salzsiedereien …

Mit dem Resultat, daß wir nicht nur einen SEHR netten Klønschnack haben, viel über die Historie der ehemaligen lokalen Salzsiedereien auf Læsø lernen („… kein Holz mehr – alle Bäume abgeholzt & verfeuert, mit Konsequenzen für die ganze Insel …“) – nein, wir werden auch feierlich und höchstamtlich in die gaaaaanz großen Geheimnisse eingeweiht. 😉😎
Unsere Einführung in die hohe Kunst.

Auf daß auch wir somit fürhin wohlhabend, glücklich und reich werden sollten. Sodann!
Weißes Gold …

SEHR aufmerksam hören wir zu. Wenn es so einfach ist, können wir uns vielleicht künftig einige Kaperfahrten mit unserem blauen Kutter sparen … wer weiß.
… bergeweise.

Lange noch sitzen wir in der warmen Sonne zwischen den schönen, alten, hölzernen Gebäuden, trinken das dort gebraute Bier – und machen uns schließlich auf den lustigen Rückweg.
Auf ebendiesem konnten wir mit dem teils verbreiteten Vorurteil aufräumen, daß „die Dänen“ per se nicht hundefreundlich seien. Im Gegenteil:
Eine immens niedliche Station am Wegesrand, mit Verpflegung, Leckereien für Hund & was zu Lesen dazu, ließ uns unterwegs erfreut Pause machen. Und auch der Bordhund ist hingerissen. Alle vorbeifahrenden Autofahrer finden das auch prima & winken erfreut. Schön!
Hundefreundlich. 🇩🇰

Am Ende es Landausflugs bleibt für uns noch ein gleich folgendes Bad in den wirklich kräftig tosenden Fluten. Das Gepökelt-Werden im fliegenden Strandsand gleich inklusive. Ein Traum.
Und zu unser Überraschung springt sogar der Bordhund mal mit rein. Das ist sehr selten. Vielleicht ist ihm der radelnde Geschwindikeitsrausch etwas zu Kopfe gestiegen, wer weiß. 😂
Lohn & Abkühlung am leeren Strand.

Wir auf jeden Fall freuen uns sehr über diesen gelungenen Landausflug, krönen den Abend, indem wir freundlich fragen und ein Restaurant am Hafen für uns eine ebenso freundliche Ausnahme macht & uns im großen gläsernen Wintergarten auch mit Hund einläßt und gar fürstlich bewirtet. Draußen pfeift der stramme Wind und treibt den Regen an die großen Glasfenster. Was für ein Tag! 👍
Kulinarisch.

Abends, zurück an Bord, tauchen wir tief in das Wettergeschehen der kommenden Tage ein. Und uns dämmert, daß es für den weiteren Weg vor MALAs Bug wohl zwei Möglichkeiten geben wird: Eine elegante und eine weniger elegante. 😉 Wir vertagen die Entscheidung auf morgen früh.
Wohl wissend, daß die Entscheidung sein könnte: „MIT dem Wind eine echte Rauschefahrt hinlegen, Anholt schweren Herzens an Backbord liegen zu lassen – und in einem weiteren etwas längeren Schlag nach Samsø durchzurauschen„. Dort würden wir dann auf den Windwechsel in Ruhe warten können …
Als wir uns bei dem im Rigg noch heulenden Wind in die warmen Kojen kuscheln, sind wir wohl selbst am gespanntesten, wie die Entscheidung morgen ausfallen wird. 😄
Dienstag, 11.08.2026
Ostsee | Læsø – Anholt – Samsø (Ballen)
TRACK LÆSØ – BALLEN | SAMSØ

Anholt wird wetterbedingt (leider!) gestrichen, der Wind wird bald für mehrere Tage auf Süd drehen.
Wir entscheiden schnell und gehen auf einen weiteren längeren Schlag von rd. 100 Seemeilen direkt nach Samsø – und erleben einen extrem schönen, beeindruckenden Nachttörn unter einer wirklich grandiosen Milchstraße.
Mit MALAs Bug Richtung Süden gerichtet machen wir Meilen. Und es fällt uns leicht. Wir kommen langsam an, in unserem (auch für später hoffentlich einmal) erträumten Segelalltag. 🙂
Erste wachsende Routine beginnt sich beginnt sich bei uns breit zu machen 😀 – wir drehen den großen Respektbogen, teils mit Maschinenunterstützung rund um die Huk mit den weiten Sänden davor, dann schwenken wir nach Süden und stellen alles auf „Langfahrt“ ein.
Routine.

Ein weiterer wunderbarer Halbwind sollte uns bevorstehen. Und ein sehr freundlicher noch dazu. 11:00 Uhr: Zunächst trieb uns NW 4-5 voran. Das macht MALA unter voller Standard-Besegelung mit Groß, Klüver und Fock.
Start-Setup.

Das Wetterrouting zeigte uns, daß ab 13-14 Uhr mit Rückgang der Winde zu rechnen sein wird, später bis auf 10kn. Dafür ist ab Bug bereits der Code-0 angeschlagen und in Warteposition.
Leichtwindig.

Bereits um 13:30 Uhr wird das Code-Segel erstmalig gesetzt. Wir holen alles, was geht 😉 … lange halt das Vergnügen noch nicht an: Bereits um 14 Uhr packen wir das leichte Tuch mit wieder auffrischendem Wind wieder ein. Zwei Stunden später kommt er wieder zum Einsatz. Wir müssen die alten Stoffe bestmöglich schonen …
Kurz bevor es langsam Richtung Abend geht, fällt uns bei den routinemäßigen Kontrollen, die wir immer, besonders auch vor Nachtfahrten vornehmen, im Fernglas beim Blick nach oben noch ein ziemlicher Fehler ins Auge, der dem Skipper reingerutscht ist:
Fehler.

Das Großfall ist mit der Dirk gekreuzt. Oh Mann. Solle wahrhaft nicht passieren. So gehen wir nicht in die bevorstehende Nacht.
Also „gewinnen“ wir ein weiteres Manöver „Segel-bergen-und-Blødsinn-richten“, bevor uns das, am besten noch im Dunkeln, entweder scheuernd Schaden anrichten – oder ein nächtliches Reffmanöver so richtig gründlich verhageln kann. 😅 Der Lapsus hat’s sogar ins Logbuch geschafft …
Dann beginnt die Sonne sich spektakulär zu verabschieden, unsere Fahrbeleuchtung geht an – und wir über in unseren bewährten Wachrythmus. Wir freuen uns richtig auf die bevorstehende Nacht. Sie sollte eine der schönsten, friedlichsten Nächte auf dieser Reise für uns werden.
Abenddämmerung der besonders schönen Art.

Mit sehr gleichmäßigem Wind, und unheimlich dunkel. Das hat Auswirkungen … wir segeln unter einer beeindruckenden Milchstraße dahin. Das werden wir lange im Gedächtnis behalten.
Das Leuchtfeuer von Hjelm begleitet uns die gesamte Nacht. Zunächst liegt es voraus. Gegen 22 Uhr haben wir bereits Grenaa steuerbord querab liegen. Wir kommen gut voran.
Je dunkler es wird, desto mehr treten die Sterne hervor. Die Nachtwachen haben ihre helle Freude.
Sternenzauber.

Wir scheinen direkt unter der Milchstraße entlang zu segeln. Schwer zu photographieren, vom schwankenden Boot.
Segeln direkt unter der Milchstraße.

Am Horizont zeichnet sich erstes Land wieder ab. Die Lichter geben gute Orientierung. Wir entscheiden uns für die Route durch den Vejrø-Sund, auch, um dem VTG aus dem Weg zu gehen. Auf dem Wasser treffen wir kein anderes Segelboot. Dafür aber massenhaft Fischerboote, die und praktischisch durchgängig „beschäftigen“.
Rotlicht an Bord.

Um 04:30 Uhr stehen wir vor dem Vejrø-Sund mit der schmalen, kleinen Durchfahrt. Die Windfahne wird ausgekuppelt, sogar die Maschine geht für 30 Minuten an – und wir schummeln uns durch. Bald danach dämmert es und die Helligkeit beginnt blaß zurückzukehren.
Um 07:15 Uhr bergen wir die Segel und trauen unseren Augen nicht. Erste Segler kommen bereits aus dem kleinen Hafen und uns entgegen! 😱 Verrückt, wann manche Leute aufstehen, obwohl die Tide sie nicht dazu zwingt … 😉
Perfekt für uns – die freigewordenen Plätze sind uns recht und um 08:15 Uhr liegen wir äußerst komfortabel direkt längsseits am Holzsteg weit vorne. Im angeblich vollsten Hafen Dänemarks, wenn man Forenberichten glauben darf … Perfekte Lage für Einhundsegler.
Mittwoch, 12.08.2026, Donnerstag, 13.08.2026, Freitag, 14.08.2026
Ostsee | Samsø (Ballen) – 3x LUXUS – LANDTAGE
Gerne wollen wir hier in Ballen „einwehen“. Bzw. eher auf richtigen Wind für den nächsten Schlag bis Bagenkop & unser Treffen mit der Atlantica warten.
Wir werden in vollen Zügen das Landleben genießen.
Ruhen, Rumhängen, Schwimmen, Reparieren/Pflegen, Sonnenfinsternis, Sternschnuppen, URLAUB.
Die erwartete Windstille beginnt einzusetzen. Wir spannen weiter aus, liegen im Cockpit und genießen die sommerliche Wärme. Gesche nutzt die Gelegenheit der nahen Badestellen ordentlich, einmal gehen wir beide ein paar Züge schwimmen.
Wie photographiert man Windstille & einsetzende Ruhe rundum?!
Windstille.

Ein im Wortsinne „High-Light“ hätten wir beinahe glatt übersehen: Die Sonnenfinsternis! 😂 Dank Social Media und langsam einsetzender Betriebsamkeit auf den Stegen blieb uns dieses interstellare Ereignis nicht verborgen.
Im netten Klønschnack mit dem Motorbootfahrer, dessen Leinen wir früher nahmen, wurden wir nochmal besonders drauf hingewiesen. Glücklicherweise war ebendieser Schweißer von Beruf – und führte natürlich entsprechende Gläser mit.
Beobachtungen.

Während ein Teil der Crew durch kleine schwarze Gläser gen Himmel peilt, ein anderer (pelziger) Teil der Crew eher desinteressiert zusammengerollt liegen bleibt, rennt der bordeigene Knipser in großer Eile & auf der Suche nach a) dem großen Rohr 🤣 und b) allen irgendwie verfügbaren ND-Filtern durchs Boot.
Schnell jetzt, die Zeit drängt doch! Mit diesen Gestirnen ist’s wie mit der Tide … die warten auch nicht. Und schon gar nicht auf etwas saumselige knipsende Seglerchen. Netterweise können wir das Spektakel direkt aus dem Cockpit und über den kleinen Häusern von Ballen noch gut beobachten.
Der Mond beginnt, sich vor die Sonnenscheibe zu schieben. Sehr beeindruckend!
Generalprobe.

Wie bei den Band-Proben früher wird zunächst probiert … um dann zum großen Auftritt alles gut eingestellt zu haben. So auch hier.
Das Maximum der Überdeckung können wir noch gut sehen und aufnehmen. Dann beginnen sich tiefstehende, flache Dunstwolken vor die Sonnenscheibe zu schieben und unsere Himmelsbeobachtungen kommen zu einem schönen Abschluß.
Auch ein wieder unvergeßliches Ereignis. Was für ein abwechslungsreicher Törn für uns bisher.
Maximum.

Unsere abendlichen Spaziergänge führen uns an den Strand, durch den kleinen Ort – und über die warm beleuchteten Steganlagen zurück zu MALA.
Warm beleuchtet..

Am kleinen Strand neben an ist der Blick über die Bucht sehr schön. Zeitweise lagen an einigen Tagen & Nächten noch Ankerlieger mit drin. Das können wir auch für spätere Besuche auch gut vorstellen.
Strand.

Tagsüber laufen wir durch den kleinen Hafen – absoluter Ententeich. Wir lassen den schwachen Südwind durchgehen und hoffen auf die kommende Westdrehung. Wir haben Zeit …
Südwind, null Beaufort.

Am ersten Pølser der Saison können wir nicht vorbeigehen. Das war schon immer so …
Maximum.

Eine Sache fällt uns ins Auge, die wir zum einen noch nicht kannten – und die uns zum anderen auch nur so bedingt gefallen mag: Eine ganze Reihe (!) Liegeplätze, die anscheinend ausschließlich vorbuchbar / reservierbar sind und ’normalen‘ reinkommenden Seglern ohne eine solche Reservierung nicht zur Verfügung zu stehen scheinen.
Nicht nur in der Dickschiff-Klasse, auch in den Normalgrößen finden wir solche Schilder, während einige Segler nach mehreren Kreisen tatsächlich wieder rausfuhren.
Sowas gab das früher nicht, als wir hier unterwegs waren. Meinen wir zumindest …
Nur per Vorreservierung?!

Wovor mag uns die kommunale Verwaltung hier wohl warnen?! Wir konnten diesen Fisch (?) nicht nachschlagen und finden. Es scheint aber ein sehr, sehr gefährliches Lebewesen zu sein, wenn an einer der Badestellen so vor ihm gewarnt wird, oder?
Maximum.

Am zweiten oder dritten Ruhetag, geprägt von langem Ausschlafen, ausgedehnten Hundespaziergängen und viel „Rumhängen“ werden wir wieder aktiver.
MALA braucht noch etwas verdiente Zuwendung. Wir putzen, prüfen pflegen. Diese sauteuren Buglaternen (Firma Lopolight), die auf unserem Kutter bereits verbaut waren, fallen prozeßsicher und der Reihe nach aus. Unerfreulich, wirklich. Jetzt ist Backbord dran …
Ärgernis.

Und sns stehen miese Verrenkungen in schlecht erreichbarem Bauraum und mit störrischen Kabeldurchführungen bevor, bis wir bitterlich fluchend das unselige Gebilde nebst Kabel aus- und vor allem wieder eingefädelt bekommen.

Da wir schon am Basteln waren, können wir auch gleich noch das etwas zu lasche Vorstag der Fock noch etwas nachsetzen. Wir werden später im Wind sehen, daß das eine gute Maßnahme war.
Zuneigung und Pflege …

Unsere Freunde von der Atlantica melden bereits, daß sie westlich von Bagenkop gemütlich vor Anker liegen & auf uns warten. „Kein Streß, wir sind hier!„. Das tut gut und wir freuen uns schon.
Morgen früh soll der Wind drehen. Und wir gehen gerne wieder raus auf’s Wasser. Die Pause war lang genug, wahrhaft. 😊
Ostsee | Samsø (Ballen) – Langeland (Bagenkop)
Samstag, 15.08.2026
TRACK BALLEN | SAMSØ – BAGENKOP | LANGELAND

Mit dem eintreffenden Westwind legen wir ab in einen weiteren, für uns wunderschönen längeren Segelschlag. Der Kurs führt uns bei halbem Wind durch die große Belt Bridge und nach Süden entlang am ganzen langen Langeland bis Bagenkop.
Zufrieden.

Ganz leise legen wir ab. Gleich vor dem Hafen setzen wir die Segel und fallen dann ab. Ruhe, echte Zufriedenheit und Gemütlichkeit machen sich an Bord breit. 🙂 Wir sind gemeinsam einfach gerne auf dem Wasser.
Unsere Startzeit haben wir anhand der Streckenabschätzung und dem erwarteten Verlauf der Windrichtungen und Stärken (W, später NW, zunächst 3-4, zwischenzeitlich etwas zunehmend, später mit der Drehung wieder leicht zurückgehend) auf 11:30 Uhr festgelegt. Damit hoffen wir, in Bagenkop nach schöner Nachtfahrt nicht ZU früh anzukommen. Das sollte nicht ganz aufgehen …
Unser nächstes Etappenziel voraus: Die Belt Bridge. Es ist eine gute Zeitlang her, daß wir sie zuletzt passiert haben. Das allererste Mal war damals nach dem Bau. Da war sie in ihrem Rufnamen noch „Great„, die Belt Bridge. und wenig(er) geregelt. Heute sind Fahrvorgaben und ausgewiesene Fahrwasser deutlich klarer und wir richten unseren Bug auf den für Sport/Freizeitboote ausgewiesenen Bereich.
Um 12:45 Uhr sichtet unser Ausguck erstmalig die großen Pylonen der Brücke am dunstigen Horizont voraus. MALA rauscht mit 6-7kn zufrieden vor sich hin, mit leicht zurückgehendem Wind reffen wir weiter aus.
Es dauert noch bis 16:15 Uhr, daß wir uns auf VHF 11 bei der Brücke melden (mit unser Masthöhe ist das laut Vorgaben so erforderlich, wir machen das gerne) und in einem sehr freundlichen kurzen Austausch unsere geplante Passage bestätigt bekommen. Paßt.
Das Bauwerk taucht langsam vor unserem Bug auf – und beeindruckt auch diesmal wieder.
Belt Bridge ahead.

Westlich, für uns an Steuerbord, sind Sperrgebiete mit gelben Tonnen ausgewiesen. Sie markieren unsere „rechte Leitplanke“. Linker Hand sind es die großen Brückenstützen und das ausgewiesene Fahrwassergebiet für die ‚Großen‘, in das wir nicht einfahren.
Wir passieren unter Segeln, die Vorsegel kurz für bessere Sicht weggerollt.
Gelbe Tonnen im Sperrgebiet an Steuerbord.

Es ist jedes Mal wieder spannend für uns … 🤣
Die nächste Aufnahme zeigt, wir haben viiiiiiel Luft nach oben über dem Verklicker im Masttop. Es zeigt auch, wie sehr die Brückenpfleger um Schutz gegen Korrosion zu arbeiten scheinen – und auch, augenzwinkernd, daß wir dringend mal unsere Saling von unten reinigen sollten. 😅 Ich hab’s ja immer gesagt: Wir lagen zu lange an Land rum – da haben wir bestimmt das Moos da oben angesetzt.
Kurz vor der Brücke koppeln wir auch die Windfahne aus. Sowas fahren wir stets von Hand. Elektrischen Autopiloten mögen wir bei soviel Stahlbau rundum nicht trauen – und Windsteuerungen machen bei den stark abgelenkten Winden unter Brücken auch manchmal lustige Sachen … also – Steuern von Hand. Macht auch Spaß. Dann sind wir durch.

Das war’s. Dem Steuermann sieht man die Freude an, aus der Navigation ist der neue Steuerkurs zu hören („Glatt Süd! 180°.„) – und wir dürfen alles einrichten für den Abend und die kommende Nacht. Bis Ende Langeland beabsichtigen wir dann bis auf kleine Kurskorrekturen, der Küstenlinie folgend, nicht mehr viel anzufassen.
Neuer Kurs. 180°.

Der Wind ist stabil in seiner Richtung. Die Brücke ist passiert um 17:30 Uhr, bereits eine Stunde später gehen wir ganz bewußt in unseren „Nachtmodus“ über und die Freiwache verschwindet in die Koje.
Unsere Plotter – beziehungsweise deren Kartendarstellung – gibt uns hier Rätsel auf, die auch unser Segeln-Forum für uns nicht plausibel erklären konnte. Was ist da los? Wir segeln darstellungsseitig „im Halbdunkeln“. Karten sind geladen und aktuell. Plotter alle nochmal neu gestartet. Keine Änderung. Eine klare Trennkante liegt da in der Gegend rum.
Rätselhaft.

Im Westen glimmt der Himmel nochmals berückend auf. Wir sehen die Küstenlinie von Fyn, bevor wir unseren Kurs dann an Langeland schmiegen werden.
Orange.

Bei 20 Uhr bekommen wir eine kleine Unterbrechung in der friedlichen Idylle. Der Wind berappelt sich noch einmal kurzzeitig. Er brist auf, wir sehen zunehmend 15-20kn, jetzt aus Nord-West-Richtung. Wir wollen für die Nacht etwas reffen. Das hat sich für uns stets gut bewährt.
Da wir uns selbst als Regel setzen, daß eine Wache, die alleine ist, zu keinem Zeitpunkt das Cockpit nach vorne verläßt – steht kurzes Wecken der Freiwache an. Daran halten wir uns. IMMER. Wir reffen und gehen mit Groß I, Klüver III und Fock in die anbrechende Nacht.
Während wir ins Dunkel segeln, bewegt sich MALA auf unseren Plottern zunehmend wieder ins Helle 😅 – die Kante mit der sonderbaren Kartendarstellung ist bald erreicht.
Mit um die 6kn Fahrt sind unsere Segelflächen konservativ und wir zufrieden. Die Freiwache schläft wieder, das Radar läuft jetzt mit und ist prima justiert. Es schaut im Moment in unserem „Sicherheitskreis“ und 4 Seemeilen im Kreis um uns herum. Das paßt.
Radar.

Dann wird es zunehmend dunkel. Uns fällt auf, daß wir als Segler in diesem schönen Revier … einmal mehr ganz alleine unterwegs zu sein scheinen. Wo sind die alle?! 🙂
Fischer, einige KüMos, sonst in unser Nähe – nix. In den Fahrwassers an unser Backbordseite und weit weg ziehen die Großen entlang. Was uns auffällt, sind die großen Reiseschiffe, die ich an anderer Stelle mal als wie ‚Tannenbäume leuchtende Bettenburgen‘ bezeichnete (worauf mir tatsächlich ein bashing ebendieser unterstellt wurde 🤣 – Unfug).
Perlenkette.

Was aber schon verrückt ist, wie die Gebilde leuchten. Verrückt. Der wieder wunderschöne Sternenhimmel verblaßt rundum diese Riesen, die ruhig an uns vorbeiziehen und deren wummernde Maschinen und Aggregate wir bis zu uns rüber gut hören. Riechen gegen den Wind glücklicherweise diesmal nicht.
Tannenbaum.

Mit langer Brennweite und hohen ISO aus der Hand vom schwankenden Segelboot auch hier wieder nicht so einfach, ein scharfes Bild zu bekommen. 📷 – die Versuche verkürzen mir die Nachtwache sehr unterhaltsam.
00:00 Uhr – Mitternacht. 👻 Geisterstunde. Und das paßt:
Auf dem „Fern-Radar“ tauchen erste kleine Signale auf, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Etwas später ist klar: Wir sind nicht alleine heute Nacht! 👍 Na also, es geht doch.
Wir freuen uns. Die 39″ Yacht Letitia III läuft mit uns, kommt langsam auf. Klasse! Wir geben alles, bleiben uns aber treu, reffen nicht weiter aus und gehen unsere Wachwechsel.
Um 02:15 Uhr erreichen wir die Südspitze von Langeland und schnacken mit der mitlaufenden Crew SEHR nett über Funk, bedanken uns gegenseitig für die schöne und unterhaltsame Nacht. Wir werden hier gleich ‚rechts abbiegen‘ und uns den Wind auf die Nase stehen lassen – Letitia III läuft weiter in Richtung Kappeln ab. Mit den allerbesten Wünschen verabschieden wir uns – und legen Ruder.
Nachdem MALA ihren Bugspriet an der Südecke von Langeland hervorstreckt, bekommen wir die volle Breitseite aus Westwind und stehender Welle gegenan. Zwei harte Stunden … das war erwartet.
Schön ist anders. Die Freiwache (diesmal Stephan) wird rausgeholt – und wir bergen den Klüver. Es sind Hackbedingungen.
TRACK – Südecke Langeland.

Man sieht gut, wie wir nach Kursanpassung dann unter der Windfahne in dem leicht weiter rückdrehenden Wind zunächst mit hochgezogen sind, uns später im Wind und der zunehmenden, kurzen steilen Welle schwerer taten.
Das Leuchtfeuer unten auf Langeland gibt etwas Orientierung. Stockdunkel & das Wasser fliegt uns nun mit jedem groben Einsetzen am Bug auch hinten im Cockpit klatschend um die Ohren.
Einige unstatthafte Äußerungen, die hier nicht weiter wiedergegeben werden sollen, fliegen in die dunkle Nacht. 😉 Es hilft aber nichts.
Wir legen das große Vorsegel in Abdeckung des gerefften Groß – gut erkennbar im „Haken unten im Track“ – und bergen es. Das Manöver funktioniert bei unserem Kutter immer verläßlich, dauert heute aber.
Anhand der Streckenlänge kann man sehen, daß wir zu spät dran waren. Da haben wir uns hinreißen lassen & zahlen jetzt naß und immer noch leise fluchend dafür. 😂
Unter Fock und dem tief gerefften Groß kann sich MALA wieder durchsetzen und von dort aus einen guten Anlieger auf Bagenkop laufen. Am Wind. Wir sind viel zu früh dran, ganz klar.
Am zweiten kleinen „Zacken“ im Track bergen wir Groß und Fock vor Bagenkop. Das geht jetzt, mit langsam zurückgehender Welle schnell und leicht von der Hand. Leinen, Fender, Orientierung, Hafenplan, Durchatmen … wir sind klar. Kann losgehen.
Immer noch immens dunkel, sind die Lichter und Tonnen im spritzenden Wasser nicht gut erkennbar. Blindflug nach Gehör und Instrumenten, praktisch. 😉 Ab 03:30 Uhr beginnen wir so langsam unseren schaukelnden Anlauf. Der Wind brist weiter auf. Was auch sonst …
Sonntag, 16.08.2026
Früh morgens um 04:30 Uhr kommen wir in den kleinen Hafen gerauscht. Da geht’s ja einmal um die Ecke noch … „Himmelnochmal – wohin?!?„. Wir sehen echt nicht mehr gut, heute Abend. Und das, obwohl wir doch den Hafen kennen. Verrückt. Mühsam orientieren wir uns, die Punktlichter rundum und die immer wieder nasse Brille sind da wenig hilfreich.
Zwei, drei Kringel drehen wir im Hafenbecken. Immerhin haben wir’s jetzt gefunden. 😎 Wie erwartet – voll. An der langen Pier vorne liegen Päckchen. Da könnten wir mit ran. Weiter rein und zwischen die Gassen trauen wir uns im Wind nicht. Ist auch richtig so. Am Ende entscheiden wir auf den einen knappen Platz vor der Diesel-Tankstelle.
Warteposition.

Zwei Anläufe brauchen wir, gegen den strammen Wind und die reinlaufende Welle im Dunkeln, bis es knapp endlich paßt. Wir liegen erstmal.
Das Wasser klatscht beachtlich an der Pierecke hoch. Wir fahren Fahrstuhl an der Wand. Fender, Springs doppelt und weitere Leinen kosten Zeit – dann sind wir fertig. In beinahe jeder Hinsicht … Jetzt sind wir doch etwas platt. Und teils müde.
Der Ankommer schmeckt, wir gehen eine große Runde durch den kleinen, nachtschlafenden Hafen – und … warten. Der Wind beginnt, zurückzugehen.
Ständig in leichter Sorge, daß gleich ein verärgerter Fischer unter Zeitdruck schwungvoll um die Ecken biegt, der dringend Diesel nachfüllen muß, da wollen wir ja auf keinen Fall stören und im Weg rumliegen … 🤣 … das aber stand für heute früh glücklicherweise so nicht geschrieben. Puh.
Gegen 06:30 Uhr hat der Skipper die Faxen dicke und entscheidet: „Ich lege mich jetzt noch ein Stündchen in die Koje. Bin echt durch!„.
Kaum berührt der Kopf das Kissen, kommt von oben der Ruf: „Komm‘ wieder raus! Das glaubst Du nicht … Die ersten laufen aus!„. 🙂🙃 Es darf nicht wahr sein. Was machen die Leute SO FRÜH in ihrem Urlaub?! 😉😅 Fragt sich der murmeltiermüde Skipper …
Um 07:00 Uhr haben wir Glück – sowohl mit der freigewordenen Boxgröße, als auch dem Wind und dem Manöver – wir verholen fix, machen die Tankstelle wieder frei und MALA liegt nur wenige Minuten später gut und sicher in ihrer Box, lediglich ein, zwei Plätze von Atlantica entfernt. Perfekt. Aufatmen. PAUSE.
Zielposition.

Wir richten uns ein, kommen an, freuen uns & sehen zu, wie der Hafen so langsam zum Leben erwacht. Für die etwa 80sm haben wir knapp 16 Stunden gesegelt.
Einen wieder richtig großartigen gemeinsamen Tag verbringen wir mit den Freunden der Atlantica, die uns zunächst nur kurz begrüßen & erstmal einfühlsam in die Kojen schicken und ein paar Stunden schlafen lassen. 👍
Nach Aufstehen und der erfrischenden Dusche direkt gegenüber unseres Liegeplatzes, sowie großer Mengen Kaffee sind wir später wieder voll hergestellt und bereit für einen feinen Tag. Erst am nächsten Mittag wollen wir dann weiter Richtung Kiel.
Als kleine Überraschung läuft später noch die größere Atlantic „PO5“ ein, die wir herzlich begrüßen. Beim gemeinsamen Essen später mit allen lernen wir, daß unsere Entscheidung vor einigen Tagen auf Læsø goldrichtig ausgefallen war.
Die Crew des großen Schwesterschiffes entschied zu der Zeit auf Anholt (das wir ja etwas schweren Herzens ausließen), hing dort im Windsystem etwas fest, während wir zu dem Zeitpunkt Samsø genossen – und entschied später, termingetrieben, in die alte Welle und den strammem Wind aus unguter Richtung rauszugehen. Das kostete leider neben Nerven auch ein großes Ballonsegel, wie sie klagten, was uns sehr leid tut. Mist.
Und sie haben weiter Zeitdruck, mit bereits gebuchter Bahnfahrt von Harlingen zurück nach Hause in Frankreich, sehen sie müde aus.
Schnell weiterlaufen ist ihr Plan, nicht mit uns gemeinsam weiterziehen, gesparte Reservetage einsetzen und (erhofften) Winddreher & Tide von Helgoland mitnehmen, stattdessen schnell durch den NOK, vielleicht ein Stop in Cux – und zügig weiter in die Niederlande, auch, wenn der Wind nicht so gut passen wird.
Pläne im Tidenrevier und auf unser geliebten Nordsee sind, wie so manches Mal, bei Niedrigwasser in den Strandsand geschrieben … wir sollen die beiden noch überraschend ein weiteres Mal wiedertreffen auf unser schönen Runde 😀 – und in Harlingen selbst werden wir uns viel später um nur knapp eine Stunde verpassen.
Mit der Crew der Atlantica haben wir eine weitere unser berüchtigten wunderbaren Nächten in einem unser Cockpits zusammen (🤣), übertreiben es wie üblich – und für sie geht es jetzt ins Winterlager und zum Ende der Segelsaison für dieses Jahr. Silvester auf Terschelling mit MALA fassen wir mal gemeinsam ins Auge.
Für uns geht es weiter im Sommertörnplan, als nächstes in Richtung Kiel – und viel, viel später im Jahr mit großer Freude in die Neben- und Nachsaison, wie wir hoffen.
Jetzt schlafen wir erstmal wie die Bären. Tief, zufrieden & viel zu kurz.
Montag, 17.08.2026
Ostsee | Langeland (Bagenkop) – Kiel
TRACK BAGENKOP | LANGELAND – KIEL

Eine absolute Rauschefahrt rüber nach Kiel. MALA rennt im Wind Rumpfgeschwindigkeit, es spritzt und schäumt, daß uns die Herzen aufgehen.
Bagenkop im warmen Licht – schön war’s!

Ein Blick zurück später auf Langeland, Dänemark.

Wir wollen … SEGELN! 😃 Eile haben wir ganz und gar keine. Am Tagesende keine Termine, die Schleuse kommt erst morgen, wir brauchen keinen Extra-Liegeplatz, sondern gehen an den Wartesteiger – und unsere Pantry wird alles hergeben, was wir uns wünschen. 👍
Optimalbedingungen für uns, um einfach ohne Endanschlag in den Tag hineinsegeln zu können. Und das tun wir. MALA scheint das zu merken & läuft los!
Im Glitsch ein Wellenhügelchen hinunter im Drücker, ist der Steuermann (wie immer 😜) versucht, wilde Photos unser lustigen Geschwindigkeitsanzeige zu machen, die niedlich übertriebene Werte erreicht. Damit könnten wir hemmungslos Seemannsgarn spinnen und hier einweben … wenn uns nicht die leider mitrechnende zugehörige „Strom-Angabe“ auf der Karte dann entlarven würde. 😉😅
Das entgeht interessierten Segelfüchsen leider nie. Und ob uns jemand den resultierenden Stromwert von über 2,3kn in der Kieler Bucht abnehmen würde?!
Spaß macht es uns auf jeden Fall!

Ordentlich spritzen & schäumen tut’s auch. Immer, wenn wir über längere Zeit so schräg liegen, daß der Krängungsanzeiger nicht mehr unter 25° zurückfinden mag, stecken wir meist schnell etwas Reff ins eins der Segel dazu. Wir lieben es! 🥰 Klasse!
Gesche zirkelt uns an den Großen in ihrem Fahrwasser paßgenau vorbei. Man sieht die Zacken, oben im GPS-Track. Alles unter dem gestrengen Auge des Gesetzeshüters, der ebenfalls dort unterwegs ist – mithin anscheinend ohne jegliche Einwände. Man läßt zwei von Ohr zu Ohr grinsende Honigkuchenpferde auf einem babyblauen Kutter mit einer orangen Steuermaus am Heck gewähren … 😂
Ein Vergnügen, gerefft und nur unter der kleinen Fock unterwegs.

Erste Anzeichen deuten darauf hin, daß unser rauschendes Vergnügen mittelfristig ein Ende finden mag. Der niedlich geringelte Turm stellt für viele Feierabendsegler ein willkommenes Zwischenziel dar.
Uns strömen zunehmend Segler entgegen, die den Turm runden, alles aufwerfen und angriffslustig zurückschießen. 😅 An uns beißen sie sich heute die Zähne aus. Keiner kann uns beikommen. 😎
Erste Vorboten …

Hmm? Nein, nicht, weil wir so heldenhaft pfeilschnell & uneinholbar dahinschießen 🤣 – wir haben einfach keinen Bock. Lassen weiter gerefft laufen, grüßen besonders freundlich mit Kaffeepott in der Hand, geben Raum wem auch immer das hilft – und plätschern jetzt zufrieden und immer noch breit grinsend langsam in die Kieler Förde.
Bekannte Sichten …

Bekannte Gemäuer und schönen Häuser am Wasser werden von der Kurverwaltung stetig an uns vorbeigezogen. Im Hintergrund geigen die Kitesurfer, die wir oft um ihre wilde Dynamik beneiden, und runden das schöne, maritime Bild ab.
Gleich vorbei für heute …

Wenn das Türmchen vor dem Bug auftaucht, dann ist das Vergnügen in Kürze vorbei … wir durchsegeln noch die Engstelle, schauen noch nach rechts in den Hafen, in dem ein Segler aus dem Segeln-Forum liegt, der lustig mit uns schrieb, während wir durch sein Heimatrevier plätscherten – dann drehen wir einen unser üblichen „Berge-Kringel“, hängen ein paar Feder raus – und laufen an den Wartesteiger.
Fenderbretter innen – Willkommen-Fender außen.

Zumindest dachten wir uns das so. Ganz kurz vor dem Steiger (im vorderen Bereich!) mußten wir glatt noch den Kiel hochnehmen. Irgendetwas Schlickiges zwischen 1,6-1,8m hatten wir, das uns tatsächlich sanft einbremste. Also ehrlich. Weiter drin im „Warte-Arm“ kennen wir das ja – aber auch hier ganz vorne?! Frechheit. 😜 Am Steiger selbst zeigt das Echolog dann wieder 2,4m.
Kiel erreichen wir nach feinem Segeln auch in der Förde noch abends um 20 Uhr und liegen am Wartesteiger, der übrigens jetzt kostenfrei ist, ausgezeichnet. Morgen geht es in den Nord-Ostsee-Kanal (NOK).
Und uns soll eine diesmal friedliche Kanalfahrt bevorstehen. Es liegen jetzt 673 Seemeilen für diesen Sommertörn in MALAs Kielwasser.
Weiter durch den NOK, via Rendsburg und Brunsbüttel geht’s dann nach Helgoland im nächsten, vorletzten Teil unser Sommerreise. 🙂
In diesem Sinne,
A l l e r b e s t e G r ü s s e
– C r e w v o n M A L A A l h e n a –