Sommertørn 2026 – Teil I-I

(Fortsetzung)

Seegatt | Nordsee | Limfjord -Thyborøn – Lemvig

SOMMERTÖRN 2026 – erster Teil, Fortsetzung

Samstag, 01.08.2026

Seegatt

Wenn wir durch ein Seegatt gehen, dann gilt diesem unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Immer. Auch, wenn es sich um ein so tiefes und freundliches Gatt, wie das zwischen Vlieland und Terschelling handelt.

Um 16:10 Uhr stehen wir an der Ansteuerung des Seegatts. Lokales Niedrigwasser ist heute erwartet für 17:40 Uhr. Wir werden noch auslaufenden Strom haben, der uns zieht. Dazu haben wir zunächst schwache südwestliche Winde um 1-2 Beaufort. Wirklich sehr freundliche Bedingungen.

Der Wind frischt am Gatt etwas auf. Wir messen West 4 Bft. und segeln. Die Maschine läuft bei uns in Seegatten mit. Groß, Klüver und Fock. Es steht kaum Welle. Um 17:15 Uhr sind wir durch. Gesche notiert etwas später bereits im Logbuch:

17:15 Schöne Seegattpassage, Welle ca. 1m, Motorsegeln. Maschine Stop, G, K, F, West 3.

Seegatt-Passage

Wir legen Ruder – und beginnen, Ost zu machen.


Nordsee – durch die VTG bis ins freie Wasser

Nordsee | Limfjord – Lemvig

Das Logbuch sagt auch: „Gesche & Stephan geht es nicht ganz top„. Es ist ein Eierkurs, den wir da fahren. An Bord haben wir für sowas drastischere Ausdrücke … Unangenehm.

Pünktlich vor dem Erreichen der VTG geht die Sonne unter

Im Bild, direkt unter der Sonne mit dem großen Halo sieht man auf dem Horizont sitzend linker Hand eines der Großschiffe, das mit westlicher Richtung im Verkehrstrennungsgebiet unterwegs ist – und rechter Hand unter der Sonne diese Gasstation (?), die als gute Navigationshilfe Orientierung gibt.


Unsere Navigatorin plant die VTG-Passage um. Statt erst weiter östlich ab Tonne TE3 raus & damit auf einen erträglicheren Kurs zu gehen, ziehen wir das weiter nach Westen vor. Direkt an der TE1 drehen wir bereits ein und gehen auf Kurs. Es wird dunkler. Schiffe in Entfernung sind zunehmen einfacher zu erkennen.

Wie am Zebrastreifen: Links alles frei, rechts alles frei, links nochmal prüfen – Loslaufen. 😅


So sieht unser geplanter erster Abschnitt nach dem Seegatt in Übersicht aus:


Mit dem Radar können wir weit nach links und rechts vorausschauen. Von 12 Seemeilen kommend hangeln wir uns runter, bis wir um die 4-5 Seemeilen „Fernsicht“ ein sauber eingestelltes Radarbild haben. Alles frei. Wir drehen und laufen los.

Wir sehen erheblich bereits quersetzenden Strom von 1,5-2kn und müßten erheblich vorhalten auf der Kurslinie, um am gewünschten Wegpunkt anzukommen. Das geht jedoch nicht (Kiellinie bei Querung VTG) – und wir entscheiden uns für den unauffälligsten Kompromiss und nehmen einen gewissen Stromversatz nach Osten dabei hin.

Es weht ein kraftloser, schwacher Lufthauch von 5kn. Immerhin halber Wind. Das tröstet. Wir setzen den Code-0 und versuchen, alles mitzunehmen. Dennoch muß die Maschine helfen. Und wir haben für uns gesetzt: „In den Fahrspuren wird nicht rumgeeiert – da wird durchgefahren„. Es sind zwischen 8-9sm über beide Spuren. Zwei Stunden Motorsegeln.

Screenshot Plotter – es geht los 🙂

22:00 Uhr. MALA steht auf 53° 34,7’N , 005° 10,8’E, und damit am Beginn der zweiten Fahrspur, westbound diesmal – also den Blick am Zebrastreifen brav nach rechts 🙂

Eine halbe Stunde später ist das 1. VTG ohne Vorkommnisse passiert. Nacht bricht an nach tollem Sonnenuntergang, der hell strahlende Mond erscheint auf der Bühne und gießt streifenweise flüssiges Silber schillernd über die kleinen blauen Riffelwellen. Das macht es uns leicht. Und sieht toll aus.

Unter Fahrbeleuchtung gehen wir drei in unsere bewährten Nachtwachen über. Lars übernimmt die erste. Schweren Herzens mußten wir alle gemeinsam auf „Motorfahrt“ entscheiden. Die einsetzende etwas längere Dünung draußen wirft unsere kaum gefüllten Segel schmerzhaft krachend hin und her. Das ist nix. Und schon gar nicht für uralte empfindliche Leichtwindsegel.

Das Seglerherzchen schmerzt etwas, besonders bei Lars 🙂 – 21 Seemeilen freies Wasser vor dem Bug bis zum zweiten, äußeren VTG – und wir können nicht segeln …


In den Bildern oben auf der rechten Seite ist unsere Nachtbeleuchtung an Bord zu erkennen. Wir fahren rotes Licht. im Salon nur, wenn jemand dort ‚arbeitet‘, sonst ist es unten dunkel. Jeder trägt Stirnleuchte mit Rotlicht, wenn gebraucht. Prompt fällt die Backbord-Laterne am Bug aus. Mist. Wir riggen zunächst Ersatz, dann stellen wir doch auf Dreifarblaterne um. Das werden wir reparieren. Ersatz ist an Bord.

Sonntag, 02.08.2026

02:00 Uhr. Wachwechsel, Lars übergibt an Stephan. „Dat geiht so nicht!“ 😉 Code-0 hoch, Maschine aus. Finden wir beide viel besser.

Lars geht in die Freiwache (darf bei uns ungestört schlafen), Gesche nimmt unten in der 2. Seekoje zufrieden dösend zur Kenntnis, daß sie jetzt die Standby-Wache geworden ist – und der Zeilenschreiber hier darf bestens versorgt mit Getränken, kleinen Leckereien und der aktuellen Lage die Ruhe im Cockpit und Boot genießen.

Um 03:15 Uhr stehen wir kurz vor der Passage der nördlichen Fahrspuren des Verkehrstrennungsgebietes. Hinter uns fädeln sich zwei Große mit ein, von Süden aufkommend. Wir halten uns ganz rechts am Rand.

Die Amadeus Ruby funken wir kurz an, machen auf uns da rechts an der Kante freundlich aufmerksam (bestätigt, sie sehen und hören uns klar und deutlich) – und fragen nach einer Wetterprognose. Hamsenich‚. Hmm. Immerhin ist damit AIS- und VHF-Check gleich mit erledigt. Gut zu wissen für uns & für die kommenden Tage und Nächte in See. Das werden wir brauchen.

Das letzte Stück VTG von rd. 9 Seemeilen noch laufen wir einmal mehr mit Maschinenunterstützung, um es schnell hinter uns zu bringen. Der Code-0 ist geborgen. Gesche übernimmt die Wache und um 05:45 Uhr steht im Logbuch: „VTG ist passiert und liegt im Kielwasser.

Nett von denen, daß sie uns kleinen Seglern immer mal wieder nett illuminierte Plattformen mit an den Weg stellen. Eine prima Orientierungshilfe. Drei Stück davon sitzen außen am VTG und wir laufen im langsam wachsenden Morgenrot darauf zu.

Orientierung – diesmal draußen.

Vor MALAs Bug liegen laut Wetter-Routing jetzt mindestens 220 beruhigende Seemeilen freies Nordseewasser bis Thyborøn. Herrlich. Maschine aus. Wir machen 2-3kn Fahrt durchs Wasser (FdW) und ab 07:00 Uhr steuern wir bei SW 3 einen relativen Kurs zum Wind von 135°.

Diese großen Dinger im beginnenden Morgenlicht, mit ihren Rüsseln haben mir photographisch sehr gefallen …


Um 08:00 Uhr wird der Spinnaker gesetzt. Wir ringen um jedes Zehntel Fahrt 😅 … MALAs Bug ist grob nach Nord und etwas Ost gerichtet. Zwischen 30° und 40° am Kompaß laufen wir langsam durch die noch sanfte Nordsee.

Windhauchvortriebshilfe. Wir versuchen wirklich alles …

Bereits bei 11:00 Uhr müssen wir im wachsenden Schwell alles wieder bergen. Der Restwind unterschreitet die 5kn. Es reicht nicht, um die Segel offen zu halten. Und das empfindliche Tuch beginnt mit jeder Achterbahn-Runde einzufallen und dann flappend wieder Form anzunehmen.

Es ist ein Elend – das heran eilende Hoch war schneller, als wir.


In See … auf der Nordsee

12:00 Uhr. Bei uns an Bord Zeit, die Trackaufzeichnung kurz zu stoppen, zu speichern und eine neue Trackaufzeichnung für den Tag zu starten. So haben wir später auf einen Blick unsere tatsächlichen Etmale (12-12). Darüber hinaus wechseln wir die Seekarte für die Plotter, jetzt darf der nördliche Teil angezeigt werden. MALAs tapferer Diesel brummt. So lange im Stück, wie selten zuvor.

Leider marschieren wir unter 30° immer noch mit Maschine weiter. Süd-West um 1 Beaufort. Also Nix. Nix zu machen. Ententeich. Grrrrr. An die Segler werden Beißhölzer ausgegeben & wir machen weiter.

Nordsee … platt.

Was macht man da?

Lars ist der einzige von uns, der der Situation etwas Gutes abgewinnt – und er wirft unsere Heckangel von der Spule aus. Mit absolutem Geheim-Spezial-Köder 🤣 – und mit dem dazugehörigen Antritt: „Macht schon mal die Pfanne heiß! Ist gleich soweit„.

Die beeindruckende Überheblichkeit der Jugend, denken wir noch. 😉 Weit gefehlt:

Zu unserem bassen Erstaunen vermeldet Lars in schneller Folge erste Bisse. „Ernsthaft??“ – „Ja, Mann!!„. Ein kleiner, sehr junger Hecht geht wieder vorsichtig zurück ins Naß. Zweimal wurde nur angetastet, ohne Biß – und dann: Die erste Makrele! Das Abendessen ist jetzt schon gesichert und entsprechend ist die Stimmung. 👍

Fishermen’s Friends!

Wir sind sehr beeindruckt, zumal unser Hochseefischer noch eine weitere nachlegt. Jetzt lohnt sich das Braten in der Kombüse doppelt. Und schon bald sollte es leckeren Fisch an Kartoffelsalat geben. Wir scheinen allesamt wieder Appetit zu haben. Ein gutes Zeichen.

Lars schleppt die lange Monofil-Leine etwa 4-5 Bootslängen achteraus. Sorgsam darauf bedacht, daß sich nichts davon in unseren leider immer noch laufenden Propeller wickelt und uns ein sicherlich sehr unfreiwilliges Bad mit Tauchgang am Heck beschert.

Die Möwen rundum haben das alles auch sofort spitzbekommen. Klar. Und bald sehen wir aus, wie ein kleiner Kutter, mit erheblichem Möwenschwarm achteraus, das Fedevieh freut sich über jeden Fischabfall, der beim Aufbereiten von Lars‘ Fängen dann achtern ins Kielwasser geht.

Soweit so gut. Bis eine zu tapfere Möwe in den immer gewagteren Tiefflügen dicht an MALAs Heck längs, in der Hoffnung, die besten Happen als erstes zu schnappen … prompt mit Grandezza in die straff gespannte Leine segelt. Oh Mann.

Maschine auskuppeln, Handschuhe an, Reling am Heck auf – und wir häkeln das vorlaute Federvieh vorsichtig zu zweit wieder aus der heiklen Leine. Mit Erfolg. Dem Vogel geht’s gut, der war nur sauer. Und erzählte wohl wilde Geschichten – denn nach 10 Minuten war am Heck alles frei.

Das war mal Aufregung mit allerbestem Ausgang.

Lohn & Wohltat.

Stolz genießen wir alle drei beieinander sitzend im Cockpit die schmackhaften Filetstücke. Und feiern unseren unermüdlichen Fischer gebührend! Ein gutes Beispiel, was alles wahr werden kann, wenn man nur unerschütterlich daran glaubt und keine Sekunde zweifelt, daß es genau gleich so kommen wird 🙂 Lars ist der Held des Tages, ganz klar.

Danach geht MALA mit uns in die zweite Nacht auf See.

Montag, 03.08.2026


Das Logbuch weist zweistundenweise die Wachwechsel aus. Wir rotieren routiniert, sozusagen, keine besonderen Vorkommnisse. Bis es 05:00 Uhr wird. Immer noch auf Steuerkurs ca. 30° hat der Diesel endlich frei. MALA trägt Vollzeug & Stephan übernimmt die letzte der Nachtwachen, während wir in den neu anbrechenden Tag gleiten.

Balsam.

Balsam für die geschundenen Ohren – und die kleinen Seglerherzchen 😂🥰 – es ist RUHIG! Still, leise, friedlich. Einfach wunderschön. Die Segel ziehen uns in guter Brise. Der elektrische Autopilot hat verdiente Pause. Genauso wie der gute Diesel.

Es ist nur das Plätschern der Wellen beim Spielen an MALAs Bug zu hören. Das Rauschen des vorbeiströmenden Wassers an der Bordwand. Mal knackt ein Block weit vorne. Mal flattert ein Achterliek ein wenig und eine Schot dehnt und reckt sich wohlig knisternd.

Ein Segler-Träumchen, so lange es währt. Wir genießen, in vollem Bewußtsein, wie es hier in weniger als 24 Stunden voraussichtlich aussehen und sich anfühlen wird. Dann, wenn der Wind seinen Zug um die Kompaßrose beendet und seine neue Position irgendwo bei Nord und Nord-Ost eingenommen haben wird.

Dann weht er uns entgegen. Und zwar exakt. Und er wird das sanfte lieblich-blaue Tischtuch, auf dem wir derzeit so schön dahingleiten in zunehmend gröberen Wellen zusammenschieben, wie ein kleines Kind früher am Esstisch der Eltern 😁 – dann wird’s vorbei sein mit der Gemütlichkeit für uns.

Um 08:30 Uhr beginnt es bereits mit ersten Vorzeichen loszugehen. MALA liegt dauerhaft über 20° auf der Backe. Wir beginnen, langsam etwas zu reffen. Groß I und Klüver mit Fock tun es für den Moment. MALA beginnt zu laufen. Dauerhaft über 5kn FdW stehen auf den Instrumenten.

Der Windpilot steuert leise und präzise an der Windkante längs, wenn wir MALA gut getrimmt haben. Wir fassen über viele Stunden nichts an – und die Windfahne nimmt leise jeden kleinen Dreher des zunehmend unruhiger werdenden Windes sauber mit und hält uns auf Kurs.

Um 10:00 Uhr sind es lediglich noch 100 sm bis Thyborøn. Wir ahnen, wie sehr diese Angabe über die tatsächlich kommenden Bedingungen hinwegtäuschen wird …


Alle Mann an Deck!“ – SCHIFFSMITTAG. 🤣

Nein, es ist nicht so, daß wir das auf MALA routinemäßig besonders feiern würden. Es gibt viel mehr vermutlich etwas zu lachen 😉 – der Versuch, bei kräftig rollendem Boot und wild in den Wellen stampfendem Bug auch ohne Beiliegen eine Position zu messen.

Eine gute halbe Stunde vor vorausberechnetem Schiffsmittag fängt der anachronistisch angehauchte Sonnenkieker bereits an, sich so langsam einzurichten. 20 Minuten später ist er schon komplett platt, alleine vom Halten und Ausbalancieren des heiklen Optikgerätes im rollenden Schwell 😂 … Stehen – unmöglich.

Positionszauber.

Im Segeln-Forum, wo wir mit vielen feinen Seglern einen oft augenzwinkernden Austausch pflegen, las sich das in Auszüge flachsig etwa so:

Ich hoffe, Euch ist bei der obenstehenden Aufnahme nicht der vollkommen verspannte Gesamteindruck des armen, Schiffers entgangen, (den der seemännisch gekonnt zu überspielen versuchte … ;)) – bei dem verzweifelten Versuch, auf dieser Schiffschaukel eine winzig kleine blendende und wild tanzende Sonnenscheibe auf einen ebenfalls im komplett unvorhersagbaren Wellenkarrussel auf und ab und hin- und her rutschenden Horizont zu drehen.

Es war ein Trauerspiel erster Güte. :mosking:

Während die geneigte und hauptamtliche Bord-Navigatorin im Doghouse sitzend das Schauspiel grinsend mit der Kamera festhielt und im immer richtigen Augenblick darauf hinwies, daß es ja nu‘ langsam Zeit für eine ANSTÄNDIGE Messung wäre … und daß weder die Sonne auf dem Weg nach Greenwich, noch die vorausberechnete Kulminationszeit für unsere gegißte Position da nennenswert auf den Herren Antik-Aushilfs-Navigator warten würden … :whistle2:


Verrückt. Wie ein Flummi hüpfte da diese Sonnenscheibe auf und ab. Auspendeln konnte ich mir absolut sparen – ich selbst versuchte mich mit ein, zwei Händen am taumelnden Kahn festzuklammern, mit zwei weiteren Händen das heikle Gerät doch ja nicht zu beschädigen – und das letzte Paar Hände schlug ich über dem Kopf zusammen, wenn nach meinem Ruf „JETZT!“ unser Nachwuchsskipper seine Eingaben und Berechnungen soweit fertiggestellt hatte, nur um zu vermelden, daß wir „… locker diesmal 60 Seemeilen südlich von unserem tatsächlichen Standort stehen, Alter …“.

MIST hier! Ich konnte schon gut 6 Seemeilen. Aber doch nicht in so einem Roller coaster hier …

Wir hätten beiliegen sollen. Aber einer von uns meinte ja: „.. oooch, dat geiht. Bekomme ich so hin …“. Von wegen. 🙂 Aber eine insgesamt gute Übung wieder.


Das kommende Wetter zeichnet sich immer weiter ab. Wir gehen vorbereitend bereits in den „Schon-Modus“ und fahren unsere Wachen auch tagsüber jetzt, um soviel Schlaf und Erholung zu bekommen, wie möglich.

Lars rockt ein weiteres Mal die Kombüse – und bereitet original seamade-MALA-Pizza© zu, die uns noch sehr, sehr gut tun wird. Ein Blech gibt es bereits für Lars und Gesche tagsüber, während Stephan schläft. Nach späteren Wachwechseln wird das zweite Blech abends in den Ofen kommen und erneute Begeisterungsstürme & Dankbarkeit auslösen.

Verpflegung, Vorbereitung, Wachen auch tagsüber jetzt …

Ab 15:30 Uhr beginnt der Wind langsam weiter zuzulegen. Wir haben zwei erste Funkkontakte mit den Großschiffen, um ihre Passage an uns kleinem Seglerchen vorbei gemeinsam abzustimmen.

Wir selbst rufen immer spätestens dann, wenn wir sehr enge Passagen von Großschiffen oder gar Kollisionsvorschau noch im Kreis von 5-2 Seemeilen um MALA beobachten. Dieser Abstand reicht den Großen in der Regel, um ihren Kurs noch ein wenig anzupassen & dann mit 0,5-1,5sm Abstand vor und hinter uns durchzugehen. Das hat sich bewährt.

Sollten hingegen wir nicht kurshaltepflichtig sein, dann weichen wir so frühzeitig bereits aus, daß möglichst gar keine weitere Kommunikation notwendig wird.


Winddreher & beginnender K(r)ampf hoch am (drehenden) Wind und in der wachsenden kurzen Welle.

17:15 Uhr. Wende. Der Wind hat eben auf Nord gedreht. Verflixt. Wenngleich erwartet, wird immer deutlicher, daß es ungemütlich für uns werden wird. Nu‘ geht das los …

Die Böen sind in Drückern jetzt ausdauernder. Über 5 Bft. stehen zunehmend länger auf den Anzeigen. Das neue Wettersystem scheint sich einzustellen. Wir bekommen den Wind zwischen den Tiefs und dem ziehenden Hoch ab. Ziemlich auf die Nase.

Bis 19:00 Uhr haben wir bereits die 3. Wende fahren müssen, gegen den wegkippenden Wind.

MALAs Bug steigt zunehmend hoch, an den kurzen Wellen … und kracht dann spektakulär und wenig sanft die 1 1/2 Meter wieder runter, während Wasser in großen Hüben über ihr Deck geschaufelt wird und der Bug sich im Rücken der nächsten Welle festbohrt. So wird das nicht gut.

Die Frei- und Standby-Wachen müssen jetzt in beiden Salonkojen mit Leesegeln dran schlafen. Im Vorschiff wird’s eher ein rumpelndes Schweben über der Matratze 🤣 – und als die ersten von uns sich bei diesen Höhenflügen den Schandassel an Decke oder Oberschränken stoßen, lassen wir’s.

Sieht auch unheimlich aus, wie da eine Person mit Decke kurz auf halber Höhe zu schweben scheint … Rungholt ist ja nicht weit. Ne, nee.


Gegen Strom, Wind und Welle verlieren wir im Holeschlag immer mehr. Zuletzt zeigt der noch am Wind fahrbare Kurs bereits weitgehend rechtwinklig (und damit schon fast wieder zurück) zur ansteigenden Küstenlinie, etwa 65 sm östlich von uns. Im Logbuch steht: „Thyborøn liegt jetzt direkt in Windrichtung. Neuer Plan: Wir wenden und gehen erstmal 45 Seemeilen weiter raus„.

Ganz soviel werden es nicht werden, wir segeln so hoch am Wind wie noch möglich. 35° Sind das nicht mehr. Wir steuern am Windpilot unter 40°, um uns ein Schlagen der Segel zu ersparen, wenn eine der wilderen Wellen den Bug schwungvoll versetzt.

21:00 Uhr: Wir reffen weiter. Groß II, Klüver III und Fock noch voll. So liegt MALA weiter balanciert und die Windfahne steuert ohne Ausreißer. Klar, daß der Klüver bald ganz weg muß.

Die Wachen wechseln weiter wie gewohnt durch. Alle haben gut und auch viel schlafen können. Das ist jetzt hilfreich. Draußen versinkt zischend die Sonne ein weiteres Mal westlich im Meer.

Die Wache sitzt (wie immer angeleint, da alleine an Deck) sicher im warmen, windgeschützten Doghouse unser kleinen Atlantic. So ist es wenig anstrengend, konditionssicher. Wir sind ein weiteres Mal für den Schutz in dieser besonderen ‚Zwischenwelt zwischen oben und unten‘ sehr dankbar.

Im Salon unten ist es gedämpft und ruhig. Alles scheint weit weg. Nichts knarrt, rumpelt oder rollt herum. Die dicke Isolation sorgt für Ruhe von außen. Sehr, sehr angenehm.

Sunddowner & geschütztes Doghouse.

MALA schaltet auf Nachtbetrieb um. Bei 23:00 Uhr und Wachwechsel im derzeitigen Rhythmus haut Lars im Halbdunkel nochmal so richtig ein kulinarisches Feuerwerk raus.

Pizza! Eine nächtliche Wohltat.

Die Deckswache feiert den Smut gebührend – und dann läuft unsere letzte Nachtwache mit nur einem Mann an Deckaus. Wetterbedingt werden wir im Laufe dieser Nacht ausschließlich zu zweit oben bleiben. Das heißt, die Standby-Wache döst im Doghouse, anstatt unten im Salon. MALA rauscht jetzt mit konstant Oberkante 6kn unter Windfahne in die Nacht. Weiterhin stabil.

Dienstag, 04.08.2026

Zwischen Mitternacht und 04:00 Uhr fahren wir zwischen Berufsschiffen noch mit Wenden hin und her. Im Dunkel und bei ordentlich Wind und Welle ist das jetzt durchgängig eine 4-Hand-Sache. So langsam muß man gut achtgeben, was man wo anfaßt oder löst. Auf allen Leinen ist ordentlich Dampf drauf. Geht. Schön ist aber anders.

Im Laufe der Nacht fahren wir mit unser Kurslinie dann noch weitere, etwas längere Zacken ins schöne Nordseewasser – und müssen schließlich anerkennen: Für die letzten Meilen voll gegenan wird’s uns nur mit noch einem, vielleicht 1 1/2 weiteren Tagen reichen, wenn wir’s aussegeln möchten.

Gemeinsame Diskussion der aktuellen Lage. MALA steht noch weit außerhalb jeder Handyabdeckung (und so können wir unser Landcrew noch mindestens 40sm lang nicht Bescheid geben). Wir beschließen: „Direktfahrt auf Thyborøn„. So macht MALA immerhin knapp glatt Ost.

⚠️ Die Navi-Batteriebank fällt auf: Bei Ladezustand von 84% nimmt sie nicht mehr die eigentlich gewohnten Ladeströme, sondern verharrt bei ca. 5A. Das müssen wir beobachten. Querladen via B2B-Lader von der vollen Service-Batteriebank auf die Navi-Bank funktioniert mit 16A. So behelfen wir uns erstmal.

11:30 Uhr. Gegen Wind und Welle macht MALA stampfend lediglich 2-3kn Fahrt über Grund in die Wunschrichtung. Und stampft sich alle 9 Wellen einmal gründlich fest. Das müssen wir wohl jetzt erstmal noch kurz aushalten.


12:30 Uhr. Noch ca. 12 Seemeilen bis Thyborøn. Eine Viertelstunde später ist an Deck zu hören: „Land hoooo!“ 😁 Das ist gut. Wir halten aus … Die Küstenlinie beginnt, sich aus dem trüben Dunst zu schälen. Ganz langsam und noch diffus.

Gesche weckt Stephan aus der Standby-Wache. 14:00 Uhr. Ungewöhnlich, was mag’s sein? Sie flüstert, um Lars, der eben erst einschlief nicht auch zu stören: „Winddreher!! Auf Süd! Verstehst Du mich?„.

😂 Und ob ich verstand! In einer fließenden Bewegung huschten wir an Deck. SÜDWIND! Und aus über 5 Bft. sind eher drei geworden. Brillant! An Schlaf nicht mehr zu denken! Zwei Minuten später trägt MALA Vollzeug. Und wir fahren einen Anlieger auf die Einfahrt von Thyborøn.

Das bekommt Lars in seiner Koje natürlich auch mit. Und zack ist auch er an Deck. Klar.

Zufriedener Segler. Mit Recht!

Dabei grinsen wir wie die Honigkuchenpferdchen. Traumsegeln mit über 7kn durchs Wasser jetzt. 7,4kn flammen kurz mal auf. Und das von 14:30 – 15:30 Uhr. Was für ein nettes Abschlußgeschenk! Wir rauschen auf die Küste zu. Die ersten Handys melden piepsend wieder „Empfang!“ und wir können der Landcrew nun Bescheid geben, daß es für uns nur noch rund 20sm bis Lemvig sind.


Nordsee – bis in den Limfjord | Lemvig

Jetzt geht das schnell. Wir packen ein & dieseln an der gar nicht so schönen Silhouette von Thyborøn vorbei in die türkis-bläulich leuchtenden Wasser des Limfjord ein.

Noch einmal gegen den Wind … aber nur kurz, bis die großen Sandhaufen an Steuerbord querab und dann achteraus liegen bleiben. Man sagt, daß hier der ganze Sand hergestellt wird, mit denen die großen, schönen Dünen Dänemarks beliefert werden. So sieht das auch aus.

Wir lassen die lauten Bagger und Kräne hinter uns – und fädeln uns ein, in die engen Fahrwasser voraus.

Anlaufen …

… und rein!

Wir beginnen, leise zu feiern. 😁 … und übertreiben es zusammen noch einmal so richtig.

Voll & bei.

Anscheinend haben wir noch nicht genug! Mit Groß I, Klüver I und Fock rauschen wir in die (wirklich engen!) kleinen Fahrwasser des Limfjord ein, kaum, daß der geschlängelte Tonnenstrich ein wenig vom Wind weg abknickte.

Es rauscht mächtig, MALA liegt 30° auf der Backe – und wir schauen uns alle gegenseitig an. DONNERWETTER. Soviel Wind nochmal … 🤣

Eine gute halbe Stunde später sammeln wir alles ein, noch berauscht von der schäumenden, wilden Fahrt – und starten einmal mehr MALAs Diesel. Anlaufen auf Lemvig, wo Gesche den Hafenmeister telefonisch erreichte, der uns zusicherte, es sei viel Platz, wir dürfen liegen, wo wir mögen, gerne auch längsseits – und sind herzlich willkommen. Schön!

Vor Lemvig.

Kurz vor Lemvig kommt uns nochmal alles entgegen, was lokal Segel- & Ragattaambitionen hat. 😂 Die Mittwochsregatten scheinen hier dienstags stattzufinden. Prima. Freundlich winkend werden wir willkommen geheißen, während wir durch die Regattafelder motoren, stark bemüht, ja keinen der Kombattanten dabei unstatthaft auch nur ein winziges Bißchen abzudecken.

Wir sollen ja nicht Schuld sein, wenn da eine Crew die erforderlichen 1/100stel am Ende in der Clubregatta verloren hätte.

Gleich danach gehen unsere Leinen fest.


Eine ruhige Runde tuckern wir durch den Hafen. Gesche hatte Recht – dampften wir eben in der Zufahrt noch bei guten 20kn schäumend gegenan, so deckten jetzt die Landerhöhungen Lemvigs den Hafenbereich lieblich ab – Ententeich. Toll! So manövriert man doch nach so einem Schlag sehr gerne an die Pier, was auch fein klappt. Spring fest. Gewonnen.

Vor und Achterleinen dazu. Wir schauen uns an – und hüpfen raus auf die Pier – und an die dortige Sitzgruppe. Ankommer. Verdient.

1 1/2 Stunden haben wir noch, bis unsere Landcrew eintrifft, die wir mit großem Hallo! und einem tollen Abend später gemeinsam willkommen heißen. Geschichten werden ausgetauscht & wir genießen noch einmal so richtig zusammen.

WAS FÜR EIN SCHÖNER TØRN! Was für ein feiner Abschluß am 1. Zwischenziel!

Angekommen.


Mittwoch, 05.08.2026

Nach ausgiebigem Brunch an Bord am nächsten Vormittag, edel mit dänischen Brötchen und Pastete verabschieden wir uns dann (etwas schweren Herzens, ehrlich gesagt) von unseren jungen Leuten, die wieder zurück nach Flensburg reisen.

Wir selbst beschließen, daß wir bei 28kn Böen … nicht segeln müssen. Insofern bleiben wir, genießen, ruhen und schreiben diese Zeilen fertig. 😁

Alles weitere wird sich finden. MALA liegt gut und sicher – und das Wetter beginnt … zusammenzubrechen. Uns ist das egal – wir machen Pause, wir … haben Urlaub. 😉😎

Und unseren geliebten Bordhund zurück! 🥰 Lars an Bord werden wir über alle Maßen vermissen. Dankbar für jede Minute, die er mit uns segelte. Der Mann gehört wirklich auf‘s Wasser. ☺️

Sicher angekommen.

In diesem Sinne,


A l l e r b e s t e   G r ü s s e
   –   C r e w  v o n   M A L A   A l h e n a    –

Nach oben scrollen