Silvestertørn 2025

Augenzwinkernd: Vorsicht, viel Text – Lesezeit komplett mindestens 45 Minuten.


Vorwort

Wer hätte das gedacht …

Statt – wie ursprünglich lange vorausgeplant – den Jahreswechsel im Krankenhaus verbringen zu müssen, darf ich mich stattdessen freuen, das alles bereits jetzt schon weitgehend hinter mir zu haben. Das ist für uns eine schöne Neuigkeit, bringt sie doch die Möglichkeit mit sich, jetzt doch noch über einen weiteren Versuch von „Silvester auf Terschelling“ nachdenken zu dürfen! Große Klasse.

Nun schauen wir, ob das Wetter das dann auch zulassen wird. Gut wäre es auch, MALA den vorgesehenen Wechsel der Diesel-Standheizung noch angedeihen zu lassen. Das würde uns freuen, denn die ist bereits über 22 Jahre im Dienst & zeigt bereits erste Ermüdung.


Wir hatten in den Jahren schon einige Varianten von
„mehr oder weniger Silvester auf Terschelling
🙂


  • 2019: Silvester auf Terschelling
  • 2020: Coronabedingt keine Reisemöglichkeit
  • 2021: Silvester auf Terschelling, vorher Harlingen im Nebel
  • 2022: Starkwind – Silvester in Harlingen
  • 2023: Ohne Rigg und mit defekter Schleuse in Harlingen gar nicht losgefahren
  • 2024: Starkwind – Silvester in Harlingen und Leeuwarden
  • 2025: Silvester auf Vlieland

Jetzt ergibt sich hoffentlich die Möglichkeit, einen weiteren schönen Versuch unternehmen zu können, zum Jahreswechsel nach Terschelling zu segeln.

Beziehungsweise zu versuchen, diese schöne Insel mal wieder zu erreichen. Schauen wir mal, wie es gelingen mag. 🙂



Di, 23.12.25

Die Eindrücke unser üblichen Wettervorschau überschlagen und ändern sich derzeit tageweise.

Ein großes Hoch, das vor Großbritannien rumlungert, weiß nicht so recht, wohin es will. Entsprechend kippt die Wetterschätzung in unserem kleinen Wattenmeer von „sehr sanft aus Ost oder Süd-Ost“ über „um die Windrose drehend mit Flautenlöchern“ bis hin zu „recht kräftig aus Nord„. Das kann man besser würfeln.

Weihnachtswindwirrungen.

Unsere Planungsaktivitäten beschränken sich somit eher auf’s Zuschauen, Mitverfolgen – und letztendlich immer wieder die geplante Startzeit anpassen, um sowohl den groben Windlöchern, als auch den Starkwindfeldern etwas aus dem Weg gehen zu können.

Bis dahin stellen wir erstmal maritim dekoriertes Grüngewächs im Wohnzimmer auf. Freuen uns über die ganze Familie, die schon beisammen ist und sitzen in der Kaminwärme und freundlich-warmen Beleuchtung, während draußen alles in feuchtes Hamburger Grau gehüllt und bei 2°C eher frisch zugeht. Brrr.

MALA hat bereits eine neue Dieselheizung installiert, ein paar letzte verbleibende elektrische Hürden – und dann hoffen wir auf noch ein weiteres Mal gut über 20 Jahre verläßliche Wärme auf Knopfdruck, wenn schnell nötig.

Der Vorteil am diesjährigen Weihnachtsbaumspitzenschmuck ist … wir können den gewünschten Wind für die Überfahrt nach Terschelling jetzt einstellen. 😉 Das hilft natürlich immens.

Weihnacht mit Wunschwindeinsteller.


27.12.25

Unser letztes „Voraus-Wetter-Update“ 🙂
Wir sehen eine relativ ordentliche Chance, noch nach Terschelling rüberzukommen für übermorgen, den 29.12.25. Wir wollen dann heute noch (sprich: „gleich“) nach Harlingen hochfahren, MALA aufwärmen und vorbereiten, morgen dann noch 3 Runden Diesel holen, umpumpen und einfüllen – und einen Tag im Hafen und mit Freunden genießen.

Dann, am Montag, hoffen wir aus Sicht heute, die Leinen loswerfen und mit sehr moderaten, Nord-West-Winden dann in Ruhe und bei Tageslicht rüberschippern zu können.

Wetter:

Die Windvorschau über mehrere Wettermodelle zeigt recht einheitlich die Einschätzung, daß über den Jahreswechsel und die dann kommenden zwei, drei Tage Winde mit nordwestlicher bis westlicher Richtung und in Böenfeldern bis über 40kn zu erwarten sind. Wir können also von einer möglichen Rückfahrt mit MALA irgendwo um den 2. bis 4. Januar 2026 ausgehen.


Terschelling wird sicherlich wieder gut gefüllt sein. Im Moment ist es noch gut, das ändert sich bei so guter Wettervorhersage sicherlich in den kommenden zwei Tagen noch erheblich, sodaß wir mit 2er und 3er Päckchen rechnen dürfen.

Belegungssituation Terschelling

Webcam Terschelling – 27.12.25, 14 Uhr

Wir packen dann jetzt mal so langsam hier zu Hause zusammen, machen uns auf den Weg, schauen, ob wir in den kommenden Tagen rüberfahren wollen und können & schreiben hier gerne in der nächsten Zeit weiter fort.


nachts – 28.12.25

01:00 Uhr. Angekommen in Harlingen. MALA liegt in ihrer Box und wartet auf uns. Der Hafen ist dunkel und anscheinend ist niemand an Bord.

Nachtankunft.

Die neue Dieselheizung lief dank Werft bereits im niedrigen Modus und ersparte uns das „winterizing“ der letzten drei kalten Tage. 6°C im Schiff. Das ist gut.

Aufgrund Landstromfehler an Landlader und Trenntrafo (nach der Elektrik-Operation für das neue Heizgerät) war leider der große Landlader ausgestiegen – die Servicebank steht bei unser Ankunft bei lediglich noch 56%. Nicht so gut. Haben drei Tage Dieselheizung in Summe 160Ah verbraucht, wie angezeigt? Hmm, vielleicht. 🙂

Das Problem war mit einigen Handgriffen soweit behoben, der Landlader lädt nun frohgemut mit strammen 60A & wir kommen langsam an Bord und im beginnenden Urlaub an. Drei große Transportwagen später ist der Kofferraum leer – und MALA für die kommenden Tage mit uns weitgehend fertig proviantiert.

Etwa 220 Liter Wasser (Backbord-Tank) haben wir laut Anzeigen noch. Das soll uns reichen.

Und geschätzt lediglich 60-70 Liter Diesel im 270l Tank. Das ist nicht genug, wir werden morgen ein wenig Kanister-Schleppen, eine Umfüllpumpe basteln und alle anderen Systeme nach und nach in Betrieb nehmen und vorher … erstmal ausschlafen 🙂

Es ist nicht weit weg von Windstille heute Nacht. Das Hafenwasser liegt spiegelglatt und wir scheinen die einzigen kleinen Irren zu sein, die derzeit am Liebsten gleich auf’s Wasser wollen.

Wir sitzen noch etwas im Cockpit. Bitterkalt ist es hier am Wasser nicht. Wir hängen schnell noch eine kleine Lichterkette raus (passend zu den lokalen Gepflogenheiten der derzeitigen Jahreszeit), erfreuen uns an der schönen Stimmung – und kommen an.

Alles weitere … später dann. Wir genießen noch den 1. + 2. Ankommer und fallen dann erstmal in die Kojen … 🙂


03:00 Uhr – ein kleiner Nachtrag noch 😉
Unsere neue Bordheizung ist auch ohne Manual wirklich einfach zu bedienen. Und … sie hat einen „Boost-Modus„, den wir gerade ‚entdeckt‘ haben. Das ist SEHR gut jetzt.

Beim nun wirklich letzten Absacker des Tages strömt uns jetzt endlich wirklich (sehr!) warme Luft um die Füße, das Heizgerät summt dabei viel leiser, als das frühere – und die Temperatur im Salon durchstößt im Moment die 20°C Marke. Herrlich. Das tut gut.

Bordhund Mia hat sich zufrieden und gefüttert zum Kringel im warmen Luftstrom zusammengerollt, die Skipperin liegt bereits auf der Heizdecke in der Koje … und mir bleibt nach diesen Zeilen nun erstmal, den Lufttrockner ein- und die feine Heizung dann auszuschalten.

Der kleine Ecomat-Heizwürfel kommt in den Flüstermodus am Thermostat, die Service-Batteriebank hat wieder 95% Ladestand erreicht und der Ladestrom steht bei 25A, er geht ständig weiter zurück … und ich nu‘ auch endlich … und zwar in die Koje. 🙂

SCHÖN, hier zu sein!


vormittags – 28.12.25

Heute Vormittag dampft der Kaffee in den Tassen. Die Batterien haben wieder vollen Ladezustand. Wir auch (fast). Langes Ausschlafen, bis der Hund uns weckt. Draußen strahlt die Sonne warm und tiefstehend über den kleinen Werfthafen.

Jetzt erklärte sich auch unser nächtlicher Eindruck vom vermeintlich glatten Wasser … wir liegen im Eis! 😂 Wenig nur, aber es zeigt, wie kalt es wohl tatsächlich war und auch immer noch ist. Die heute strahlend warme Sonne täuscht ein wenig darüber hinweg. ☀️

Kalt.

Eine dünne riffelige Eisschicht bedeckt den Hafen. Rund um MALA liegt Wasser. 16°C waren es heute Morgen im Salon, wir tragen ‚Zwiebelschichten‘ warme Klamotten, Mützen im Salon – und beginnen, uns mit diesem schönen Sonntag anzufreunden. „Diesel schleppen“ wird wohl unsere Hauptbeschäftigung werden.

Sollten wir morgen rauskönnen und auch fahren … dann wird das wohl eine kalte, windige – und später auch etwas nasse Angelegenheit, wie ein erneuter Blick in unsere Wettervorschau so verriet.


Diesel bunkern. Unsere neu gebastelte Pumpenlösung funktioniert – und wie! 🙂 Wir sind absolut glücklich mit der neuen Lösung.

Diesel-Transfer

Bei MALA ist der Diesel-Einfüllstutzen gut geschützt in der flachen Backskiste an Backbord installiert. Eine prima Position und auch grundsätzlich gut zu betanken.

Einzig das manuelle Umfüllen aus Kanistern (wir haben große flache, sowie auch Standard-Kanister im Einsatz) – war bisher so gar nicht rückenfreundlich. Vor allem bei den großen, flachen Kanistern, die wir halbgebückt hochhalten mußten, ist das der Fall.

Mit der neuen Umfüllpumpe ist das nun Geschichte. Einen Kanister stellen wir gesichert in oder vor die Backskiste, stecken die transparenten Schläuche an – und in etwa 1½ Minuten sind 20 Liter Diesel fertig transferiert. Sauereifrei, wenn man’s richtig macht 😉

Bei Bedarf und unklarem Treibstoff-Zustand können wir unsere Filterbatterie aus dem ‚fuel-polish‚-Aufbau noch mit einschleifen. Bei der guten Spritqualität hier vor Ort ist das nicht nötig.

So ganz langsam hangeln wir uns hoch 🙂 Unser niedliches, verläßliches altes Schätzeisen zeigt mit jedem umgefüllten 20l-Kanister etwa 30 Anzeigewerte mehr auf der Uhr. Begonnen haben wir mit einer Anzeige von 120 Einheiten, nach unser Schätzung etwa entsprechend 50-60 Litern Diesel im Haupttank.

Damit sind wir nach den zunächst eingefüllten 60 Litern schon wieder bei etwa bei gut über 120 Litern gesamt. Die nächsten 40 Liter zeigen ähnliche Wertzuwächse an dem hübschen Rundinstrument.

Und mit der letzten Runde, die Gesche gerade einholt, werden wir dann in Summe bei etwa rund 190 Litern Diesel sein. Das ist fein.

Füllstand … steigt.

So macht das richtig Freude. Der finale Anzeigewert liegt bei 370, entsprechend den oben genannten 190 Litern, und noch vor 17 Uhr und mit dem letzten Tageslicht hoffen wir, die Außenaktivitäten dann abzuschließen und freuen uns auf einen gemütlichen Abend in MALAs warmem Salon. Essen sollten wir auch mal was …

16:58 Uhr – Tagwerk vollbracht.

Die Kanister gehen von Bord, wir laufen eine schöne Runde mit unserem Bordhund – und dann gehen wir zum gemütlichen Teil unseres Törnbeginns über – Matjes an Bratkartoffeln sollen es heute sein. 😄

Abendrunde im Licht – danach: Salon.

Die Heizung bringt MALAs Salon derzeit auf karibische Temperaturen – und wir legen in Kürze eine Zwiebelschicht nach der nächsten wieder ab. Zufrieden mit allem.

Nachtrag Zusammenfassung Wetteraussichten:

Derzeit 0°C und zunehmend leicht überfrorener Steg in Harlingen. Leichtes Eis im Kanal. Morgen dann nord-westliche Winde um 3 bis 4 Bft, später zunehmend, in Böen 6 bis 7, norddrehend.

Nordwest, rückdrehend West später auf Terschelling. Zum Jahreswechsel dann ab Neujahrsnachmittag West um 6 Bft. in Böen 8-9. Hund gut anbinden.

Dazu einsetzende, streckenweise ergiebige Regenschauer, die für die Rückreise zwischen dem 2. und 3 Januar dann zunehmend in Graupel und Schnee übergehen. Wind geht zurück auf 5 Bft. in Böen 6 aus westlichen Richtungen.

😂 – was kann man sich mehr wünschen?! 😉


abends – 28.12.25

Systemcheck. Seekarten, Plotter, Instrumente, AIS, Bugstrahlruder, Schwenkkiel, komplette Beleuchtung … alles funktioniert, ich war eben nochmal draußen dafür. Und baß überrascht:

Die Enten STEHEN auf dem Wasser, direkt neben unserem Boot. 😅 Oha! Es ist bannich kalt geworden, auf einen Schlag scheint die Kälte heruntergefallen zu sein. Und wie.

Die Stege, unser Cockpit und auch das Deck und unsere Laufwege auf den Seiten sind glitzernd weiß überfroren. Und entsprechend rutschig. Die Bordhund-Runde nachher wird ein spannender Balance-Akt werden …

Eiskalt

Wir igeln uns ein – und die Doghouse-Persennig wird noch schnell geriggt. Damit ist es trocken, geschützt und auch nochmal besser wärmeisoliert am Niedergang.

Das kann ja lustig werden, morgen zum Ablegen …


Montag, 29.12.25

08:00 Uhr. Feueralarm? Aufruhr?? Weltuntergang??? Nein. Nur der Wecker. Gesches, genau genommen. Aufstehen, Pelztier schnappen – Einkaufen. Eine gute 3/4 Stunde später das gleich Prozedere auch für den Schipper, zumindest was den Wecker angeht. Aufstehen, Deck klarieren, Systeme in Betrieb nehmen. Unser Segelschlag beginnt, Formen anzunehmen. 🙂


VLIELAND STATT TERSCHELLING

Der 1. und der 2. Kaffee hilft dann. Auch bei der Entscheidungsfindung der beiden Skipper – am Ende der zweiten Becher ist das beschlossen: Unser Terschelling-Silvester dieses Jahr 2025 … findet auf Vlieland statt. 😂

Krasse Entscheidung. Wir kommen dazu, weil die Windvorhersage uns die Nackenhaare hochstellt – und wir sind ja diesbezüglich eigentlich durchaus mal Kummer gewohnt.

Windvorschau des Grausens.

Die Webcam auf Terschelling zeigt bereits die ersten Reihen mit 2er-Päckchen. Für einen besseren Blick in die hinteren Reihen reicht uns die Auflösung der Kamera dort nicht – aber es scheint klar: Das ist erwartbar gut gefüllt – und wird noch voller. Mittelwinde zwischen 5 und 7 Beaufort mit Böen klar darüber hatten wir dort schon, auf unser Lieblingsinsel. Diesmal sollen sie dazu noch drehen, die vorhergesagten Winde.

Das war damals wahrhaft kein volles Vergnügen. Und Bruch rundum gab es auch. Päckchen wanken hin- und her, Klampen in Kunststoff ließen nach, Fender gingen dahin, danach scheuerten Leisten (nur nicht direkt aufeinander) … und Schiffer rundum, die eigentlich komplett entspannt sind, wurden zunehmend splitternd nervös.

Auf Landstrom können wir nicht bauen. Das klappt mal (mit netten Nachbarn rundum, diverse Adapter haben wir), mal klappt das nicht. Ein Jahr saßen wir alle angesichts der zigfach betriebenen Poffertjes-Geräte … komplett im Dunkeln. Mit verzweifeltem Hafenmeister, der am Ende nur noch mitteilen konnte, daß ein großer Schütz an der Landstrominstallation verbrannt ist – und daß Techniker „vom Festland“ angefordert seien, aber das könne dauern. 😅 Tat es dann auch.

Wollen wir uns das ‚antun‘? Heute & mit den Wetteraussichten?!“ – Nein, wollen wir übereinstimmend diesmal nicht. Gesche warf das oft verworfene Vlieland wieder ins Rennen: Platz ohne Ende, bereits nette Boote in der Vorschau – und für uns gerade noch so in der Tageslicht-Tide vielleicht erreichbar. Gute Idee. Das sollte eh‘ knapp werden, mit dem Tageslicht, wie wir später am Tag lernten.

Wir entscheiden mutig auf: „SILVESTER AUF VLIELAND!„. Schau an.

Ich muß das Startbild dieses Beitrags ändern … 😉


10:45 Uhr. Maschine läuft. Anruf der Skipperin bei unseren Mädels & Jungs vom Brückendienst Harlingen, die wir ja gut kennen. „Piiiiep„. Hmmm? Keiner geht ran. ❓❗️Das hatten wir noch nie. Zwei, drei Versuche später, jeweils mit eigentlich ausreichend Zeit dazwischen – ohne Ergebnis. Das ist ungewöhnlich. Sehr.

Wir versuchen es über VHF 11 bei Portcontrol Harlingen. Kurze Rücksprache – dann kam die Rückmeldung an uns: „15 Minuten, macht Euch klar, das wird!“ Brilliant! SUPER, das freut uns – denn das Tageslicht rinnt uns bereits jetzt durch die Hände wie feiner Strandsand. Das wird knapp heute, zeitlich & zwangsläufig gegen die Tide. Aber diesmal kaum sinnvoll vermeidbar, wie wir denken.

Der Timer piepst, wir laufen auf Verdacht aus unser Box und direkt vor die Klappbrücke. Paßt! Exakt im Moment des Umschaltens von Rot-Grün auf Grün flitzen wir durch die offene Brücke. Perfekt, mit großen „Hallooo!!“ als Dankeschön sind wir Minuten später schon vor den TsjerkHiddeSluizen.

Kurzer Klönschnack auf VHF 22 – und schon laufen wir an die Wartepier, an der wir noch vor einiger Zeit die „Swantje“ so nett trafen: „Kanal und Schleuse werden gespült. Alles rot. Das dauert etwas.

Seufz. Keine Problem. Wir sind jung, wir können warten. Zeit haben wir ja. Und Kaffee. Zum Glück. Das ist gut. So gut, daß wir glatt unser Startsignal saumselig verpaßten und von der netten Dame in der Schleuse lieb darauf hingewiesen werden mußten, daß wir ja nun auch gerne reinkommen könnten … 😂 Läuft.


Für die feinen Manöver soweit am heutigen Tage haben wir uns selbst schon hingebungsvoll gefeiert. Aus der Box, Warten vor der Brücke, Warten vor der Schleuse, fest in der Schleuse – alles, wie die ganz Großen & absolut tiefenenspannt, Klasse … 😎😉 … aber dann wurde uns nochmal so richtig gezeigt, wie cool man das doch machen kann:

Ein wirklich langes (aber schmales) Mortorschiff kam von achtern noch auf und fuhr direkt in die Schleuse ein. Kein Funkkontakt zu hören. Zwei Mann gelangweilt nett auf dem Vorschiff, die weder Leinen in den Fingern hatten, noch auch nur irgendwas anfaßten.

Ein Skipper, der auf 10cm noch bis ganz vorne und direkt neben uns in der Schleuse fuhr, sein Deckshaus öffnete und zum Gruß und freundlichen Schnack rausschaute – während im tanzsaalgroßen Salon zwei Damen noch zum Brunch saßen, beliebig desinteressiert und locker, wie wir durch die hohen Seitenscheiben sehen konnten. 😂

In dem Moment öffnet sich das Schleusentor – und das Motorschiff macht gleich wieder Dampf auf. Keine Leinen, keine Hektik, gefühlt 2cm Platz nach oben vom kleinen Masttop bis zur Brücke, freundlich winkend. Und weg. SO schleust man! 🙂 Unseren Respekt haben sie.

Wir selbst bleiben unserem Rigg zuliebe noch liegen, bis die Brücke ganz öffnet. Wild entschlossen, das irgendwann auch mal so cool hinzubekommen, wenn wir mal groß sind.

Und: Mit bereits komplett aufgeklartem Deck, keine Fender mehr draußen – und bereit, das Groß zur Bestzeit innerhalb der ersten 10m nach Schleusenausgang bereits oben zu haben. Das ist so ein persönliches Hobby von uns … 😉 Und, was sollen wir sagen:

Segel oben, noch bevor wir den Bug der „Bellejour“ passiert haben. BESTZEIT.

So segeln Helden„, sagen wir laut & augenzwinkernd zu uns, während wir langsam durch den Hafen und in Richtung unser geliebten Waddenzee laufen, die da auf uns wartet. Kühler Wind weht uns direkt entgegen und um die Nasen. SCHÖN! 🥰


Den Pollendam dampfen wir (wie immer) entlang. Freundlich gegrüßt (echt!) von den netten Fähren-Schiffern oben in ihren gut geheizten Aussichtshäusern.

Da können wir nur milde lächeln und zurückwinken, während Harlingen so langsam hinter uns im Dunst entschwindet.

Noch grinst er, der Rudergänger. Wenn der wüßte …

Wir wechseln uns ab und genießen …

Die Fischer-Handschuhe zeigen es bereits … es wird kalt.


Aber noch strahlt die Sonne in die Segel und wir laufen freudig gegen den Tidenstrom an, von in der Spitze bis zu satten 2,7kn … 1. Reff im Groß, Klüver & Fock voll – so kann MALA sich gut durchsetzen. Es wirkt fast sommerlich …

Dezember-Sommer-Segeln.

Mia, unser Land- und Wettermelder allerdings schnuppert: „Oha. Regen voraus. Und nicht zu knapp.“ Meldete es und verschwand im Schutz des Doghouse … (wo der geneigte Photograph schon saß und sich aufwärmte – aber das sollte sich gleich ändern):

Bordhund in Aktion:

Minuten später sah der vermeintliche ‚Sommer‘ bereits ganz anders aus. Vier Jahreszeiten an einem Tag. Es ist eben doch noch Dezember.

Die Brillengläser des Rudergängers sprechen eine deutliche Sprache. (das angestrengte Gesicht auch 😂). Wir werden in kürzester Zeit klatschnaß, während es kräftig im Rigg ruckelt und pfeift. Die Sicht geht vollständig weg – nicht nur für den Brillenträger …

Regenflagen.

Radar nötig.

Das Grau griff nach MALA, schneller, als wir reffen konnten … Sicht – lausig. Klüver weg, Reff im Groß, Fock bleibt. Der Großsegler, der so lustig mit uns und in direkter Nähe seine Bahnen zieht, er verschwindet unsichtig.

Irgendwas zwischen Regen, Wolken und Nebel. Wir wecken das vorbereitete und eingestellte Radar aus seinem Standby-Tiefschlaf und hangeln uns so von Tonne zu Tonne in Richtung Vliestroom.

Schnelles Reffen.

Abwechseln.

Jeder darf mal, während die See langsam ungemütlicher wird. Wir wollen ans Ziel … wissen, daß die nächsten Stunden eine wirklich habhafte Wetterverschlechterung, oder zumindest spürbar mehr Wind bringen werden.

Und wir werden ja noch unseren Bugspriet bis fast ins Seegatt halten wollen, bevor wir den kleinen Schlenker zu unser Ziel-Insel einschlagen können.

Wetterschutz.

Unserem kleinen Bordhund spannen wir ein Regendach auf – und im Salon werfen wir die Heizung an und ziehen das Niedergangsschott hoch. Streckenweise … lausig. 😁

Und doch reißt es immer wieder kurz auf – und wir können sogar Seehund-Gucken, als wir Richel passieren. Die Hunde fehlen hier heute – aber die Chef-Ornithologin gibt’s:

Fernsicht.

Weit ist es nicht mehr. Ein paar Meilen stehen noch auf der Restlaufstrecken-Anzeige. Das Seegatt greift mit kabbeligen Fingern nach MALAs Rumpf, als wir uns eine halbe Stunde später um die Ecke lügen. Voll im Wettlauf mit der untergehenden Sonne und dem schwindenden Licht. Und reicht es jetzt auch langsam hin. Die Pausen unten im Salon zum Aufwärmen sind Gold wert.


Kurz danach sind wir da. „Leinen & Fender raus!“ Fix, gleich sind wir da. Mit dem wirklich allerletzten Büchsenlicht erreichen wir den kleinen Hafen und sind froh, daß nicht geschrieben stand, wir sollten uns in der schmalen Einfahrt verkeilen, bei dem ordentlich seitlich setzenden Querstrom direkt davor.

Angekommen!

Der Anleger rückwärts, aber bei guten 5 Bft. heute, rundete den Tag für uns ab.

Während MALA mit Maschine leicht achteraus in ihrer bewährten Spring am Steg hing, die Gesche treffsicher und ‚windungeachtet‘ über die wirklich guten Klampen hier warf, konnten wir in Ruhe wie die Queen von Bord schreiten und die anderen Leinen legen. Fertig. Maschine aus. Track speichern.

Zwischen den beiden Bildern oben liegen nur ein paar Minuten – und als es dunkel wird, sitzen wir bereits im Cockpit mit unserem Ankommer, MALA funkelt leuchtend und zunächst batteriegetrieben mit den Großen um die Wette, das Deck ist aufgeklart, der Salon warm – und der Bordhund bereits gelaufen. Perfekt.


Fast wäre es zu rund gewesen … 😉 … und so zerrissen wir beim Setzen der hier jahreszeit- und landesüblichen Lichterkette über Top eben genau diese unglücklicherweise noch im Wind. Mist.

Schneiden, löten, improvisieren, crimpen, abdichten, kleben …

Vorort-Improvisationen … (die Skipperin will, daß es leuchtet) …

Am Ende strahlt unser kleiner Alu-Kutter beinahe so schick, wie die großen Plattboden am anderen Stegende – und wir mit ihnen allen um die Wette. 🙂 EIN FEINER TAG!

Glühwein gibt’s da … wo’s so schön & gelb leuchtet!

Kleiner Nachtrag als Spaß in der Nacht noch:

Da Freunde gerne wissen wollten wo genau wir denn nun in Vlieland liegen … dachten wir, da können wir helfen: 😉

Webcam Vlieland nachts


Da, wo der gelbe Tannenbaum leuchtet, da liegt MALA:

Webcam Vlieland nachts MIT MALA

02:45. Jetzt aber Licht aus & ab in die Koje.


Dienstag, 30.12.25

Einkaufsspaziergang in den kleinen Ort rüber. Die tierstehende Sonne malt unsere Schatten niedlich an die schräge Spundwand im Hafen. Wir laufen einmal über die kleine „Hauptstraße“ im Ort nahbei, kaufen noch etwas ein, sind überrascht von dem Trubel, der auch hier herrscht. Und laufen dann bereits zu MALA zurück.

Hier empfängt uns … Stromausfall an Bord. Landstrom weggefallen. Genaugenommen ist unsere (und ausschließlich unsere) Sicherung am Steg rausgefallen. Wir merkten es beim Anklemmen der weihnachtlichen Beleuchtung – denn die blieb zunächst dunkel. Hmm.

Wir finden (leider?!) keine Fehler; Sicherung rein, sie hält, alles scheint OK. Bis auf den Landlader der Navigationsbank. Der läuft nicht freiwillig wieder an und muß angeschubst werden. Hmmmmm.

Ein Blick auf die Batteriekennwerte läßt uns aufmerken und etwas erschaudern:

30°C an der Navigationsbatterie?! Das kann nicht gut sein. Statt Kaffee im Cockpit gab es für uns sofortige Ursachensuche. Eine (?) mögliche Hauptursache war nach Ausräumen der Achterkabine sofort gefunden – unsere Heizungsrohre. So lange im Stück hatten wir noch nie heizen können – und die Schläuche laufen in nur 20cm Abstand hinter der Batteriebank und unter der Koje entlang.

Schnelle Messungen zeigen, daß hier auf jeden Fall der „Hauptschuldige“ gefunden sein müßte. Alle Deckel auf, einen großen Lüfter diarübergestellt – und wir bekommen bei unveränderter Heizleistung 23°C in Beharrung.

Also … eine weitere kleine Baustelle, die wir zunächst passiv (mit Armaflex und Abschirmblechen) angehen wollen. Noch ohne eigenen Lüfter im Heizungsbetrieb hier.


tief in der Nacht ….

Was für ein Beginn unser Nacht: Direkt (!) zum Moment, da wir uns in unsere Kojen legen wollten, hörten wir ein unschuldiges „Rumms!„. Rumms ist schlecht. Immer eigentlich. So auch diesmal.

Kein Landstrom mehr. Aufstehen, Rausgehen – Landseitige Sicherungen sind gefallen. Hmm. Nicht gut. Am Kasten ließ sich das korrigieren. Sicherungen rein – der leise Ruf: „Frage Landstrom?“ – die Antwort Mist: „Negativ. Nix. Gar nix hier„. Oha. Jetzt geht die Sucherei los. „Alle Sicherungen drin an Bord?„… „Moment. Ja. Alles drin!„. Das darf nicht wahr sein.

Wir machen einen weiteren Drink aus Cola, gesunder Zitrone & Rum … und uns dann auf die Suche. Alle Verbraucherkreise aus. Alle 230V Geräte weg vom Netz. Die Kabeltrommel gegen eine einfache, kurze Landleitung tauschen. „Der Stecker am Steg leuchtet jetzt – sehr gut, Landstrom scheint da zu sein. Wie ist es drinnen?“ – „Nix leider!„. Verflixt!

Nach etwas Suchen zeigte sich, eine weitere Sicherung („F2 im Hauptsicherungskasten“) an Bord ist noch gefallen. Sicherung rein, dann die maximal mögliche Landstromanforderung am Potentiometer an MALAs Schalttafel auf 50% zurückdrehen … und siehe da: LÄUFT WIEDER! Puuuh.

Wir nehmen vorsichtig alles wieder ans Laufen, drehen die Heizungen runter und trinken aus. Fast 4 Uhr … Prost Neujahr! 🙂 … wir gehen erstmal schlafen.


Mittwoch, 31.12.25

Rööööööööööööhr, rööööhr, röööhrrrrrrrr … *)
Guten Morgen?! Das Geräusch ist an Bord durchaus ungewöhnlich. 😉 Was ist hier los?

Wir stehen auf. Es nieselt hartnäckig, und draußen wird klar, was hier los ist: Der lokale Polizist auf Vlieland ist mutmaßlich gerade kurz auf Terschelling zum Einkaufen oder so mutmaßen wir augenzwinkernd. Die Chance nutzen hier zwei Jugendliche & lassen es richtig krachen.

Zwei gut eingestellte Zweitakter werden ihrer lästigen Endtöpfe beraubt – und die Jungs fahren vier laut röhrende Runden bei Vollast über Straßen, Wege, Strand und schnell zurück in die Halle. Wir lachen uns eins, in Erinnerung an eigene Jugendzeiten – und sind sicher: Das hat das Ohr der Obrigkeit ganz sicher auch bis Terschelling hören können.


Was macht das Wetter?

Es wird immer ‚lustiger‘ mit den Vorhersagen – mittlerweile sehen die Wetterfrösche recht übereinstimmend bis zu 8, in Böen 11 für uns voraus. 🤣 Gestern, als dieselben Frösche intensiv vor kräftigen Böen um 7 hier im Hafen warnten, lagen wir praktisch windlos im Ententeich.

Man kann sich auf nix mehr verlassen … Regen soll es jetzt gleich nicht geben. Also schnappen wir uns unsere Regenjacken und gehen nochmal schnell rüber ins Örtchen, um die letzten Dingen einzuholen. Rundum böllert es bereits in sehr tiefen Frequenzen. Und unser Pelztierchen mag das wirklich ganz und gar nicht.


*) Ich muß mich korrigieren: 😂
Es ist hier auf Vlieland – und nur heute Abend – wohl alte Tradition, daß die ‚Jugendlichen‘ ganz offensichtlich und mit höchstamtlichem Segen der Polizei (!), nach vorheriger Alkoholkontrolle alle zur Mitternacht ihre motorisierten Zweiräder ohne Schalldämpfer oder Auspuffanlagen für 5 kernige Runden um die Insel auf der Rundstrecke bewegen dürfen. 😮🤘😂

Ja, gibt es denn sowas? Die Jungs üben heute schon mal fleißig – und der Skipper fühlt sich echt Jahrzehnte und in alte Kreidler-Zeiten zurückversetzt. Irre. Beinahe wäre ich rüber gelaufen und hätte begeistert noch versucht, in der letzten Feinabstimmung mit Hand anlegen zu dürfen … 😉

Das aber blieb den jungen, ungedämmten Fahrern zum Glück erspart – und während sie phon- und liebenswert halbstark über die kleine Insel rasen, nehmen wir den dritten Prosecco heute … 😇


Schön!

Nach dem Zurückkommen müssen wir erstmal unseren Hund etwas aus der sprichwörtlichen akustischen ‚Schusslinie‘ bringen … Es rummst und knallt zunehmend draußen. Wir dürfen in den Niederlanden wohl einiges erwarten, diese Nacht, ist das private Feuerwerk dem Vernehmen nach doch dann ab 2026 künftig untersagt.

13 Sekunden …

Wir richten uns ein, freuen uns auf ein opulentes Schlemmen diesen Abend und diese Nacht an Bord – und sprechen zunächst dem Schaumweine ungebremst weiter zu. Warum auch nicht?! Die Wettervorschau und der Rat guter Freunde legen nahe, daß wir noch ein, zwei schöne Tage hier verweilen wollen & werden.

Für morgen, den 1. Januar ist das hiesige „Kaltwasserschwimmen“ – das Nieuwjaarsduik 🏊🏊‍♀️ angesagt. Da werden sich rudelweise Bekloppte vom hiesigen Strand und mit gesponserten Unox-Mützen auf den Köpfen in die eisigen Fluten stürzen, während am Ufer eine Kapelle lautstark Mut zuspielt – und warme Erbsensuppe auf alle wartet. Was für ein Spektakel! Ob wir das schaffen werden?!


Es ist mittlerweile dunkel. MALA erstrahlt, wie es landestypische hier in Fryslân üblich ist, in allerlei bunten Lichtlein – und wir bekommen viel Lob von extra vorbeikommenden Seglern, die unseren kleinen Atlantic-Kutter aus Harlingen & die nette Beleuchtung loben. Das ist wie das Weihnachtsbaumloben in Deutschland … bald können wir nicht mehr sauber geradeaus schauen … 😉

Im warmen Licht – und mit ebensolchem Luftschwall aus dem gut geheizten Salon sitzen wir gemeinsam im illuminierten Doghouse und lassen den Abend genießend auf uns zurollen.

Unser Hund liegt jetzt tief unten, unter der Auslegungswasserlinie im dick isolierten Rumpf mit Radio & bekommt so nur wenig von den zunehmend bassig krachenden Explosionen draußen mit. Puh, gut so.


Ein paar Dinge sind bei uns seit vielen, vielen Jahren echt verläßlich und kaum diskutierbar 😉 Dinner for One ist eines davon. Und wir kringeln uns doch jedes Jahr wieder. Diese tolle Vorstellung läutet für uns tatsächlich „Silvester“ ein … irgendwie immer schon. Das mag gerne so bleiben. 🙂

… irgendwie immer schon …

Und in (Süd-) Deutschland zunehmend eine echte Seltenheit schon (wenn wir nicht mit der großen Gliep selbst durchs Watt staksen) – Krabbenbrote. Was für ein Gedicht für uns.

Kulinarisches kleines Highlight.


So langsam nehmen draußen die tief grollenden Explosionen hörbar zu. Und auch das wunderschöne Heulen der auspufflosen Zweitakter weht uns aus dem kleinen Örtchen bis in den Hafen hier herüber. Wir mögen das ja … unser kleiner Vierbeiner hingegen so gar nicht.

Unterschlupf

Tief unten im Boot geht es Mia immer am Besten. Hier kommen alle Geräusche von außen nur sehr gedämmt an. Das Heulen des Windes im Rigg, aber auch das erste Knallen der Silvesterraketen. Mit etwas Radio übertünchen wir den Rest 😉 – und dann klettern die restlichen Teile der Crew schon hoch an Deck … 10, 9, 8, 7, 6, 5 …

Der Jahreswechsel naht. Crews rundum stehen wie wir an Deck ihrer Boote, … 4, 3, 2, 1 … NEUJAHR! Nicht zu überhören, und zu übersehen. Über Vlieland steigen die Raketen auf, die Zweitakter gehen lautstark auf die Rennstrecke 🙂 und wir prosten uns mit den umliegenden Crews mit besten Wünschen erfreut zu.

Frohes Neujahr.


Unser Abend an Bord ist wunderschön. Wir essen fein, genießen in vollen Zügen, feiern immens lange – und einmal mehr mehr ist MALAs Licht das letzte, das im Hafen dann irgendwann abgeschaltet wird.

Willkommen im neuen Jahr. Möge viel von dem gelingen, was uns so erwarten mag … 🙂


Donnerstag, 01.01.2026

Wetter – keine Neujahrsschwimmen.

Der wunderschöne Morgen beginnt mit liebenswertem Grau, Sturzregen, einem ziemlich eisigen Wind. Einem kräftigen, eisigen Wind … wir bekommen die Nachricht, daß das „NIEUWJAARSDUIK“, das Neujahresschwimmen wetterbedingt abgesagt werden mußte.

Einer von uns ist von dieser Nachricht ehrlich gesagt heimlich etwas erleichtert 😉 … aber insgesamt führt es dazu, daß wir nahtlos in „weiter gemütlich“ übergehen. Wir machen Kaffee & schauen und hören dem zunehmenden Wind beim kontinuierlichen Ansteigen zu.

Das Barometer an der Schottwand verliert beständig und die Böen setzen zunehmend zornig ein. Aus dem Heulen im Rigg wird zeitweise ein schrilles Pfeifen. Es ist ungemein unbeständig – der Mittelwind liegt oft nur um 4 Bft., bis immer wieder kräftig kurzzeitig der Wind in Drückern stark ansteigt.


Der Kaffee wirkt, wir werden langsam rege, lernen, daß hier die Duschen mit Münzen belegt sind – und ziehen uns bald wieder zurück in unseren gemütlichen Salon. Nachrichten von Familie, lieben Freunden und befreundeten Crews kommen herein. Eine davon von Bert, der derzeit auf Terschelling ist:

Hoppla?! Bert hat Recht!

Hochwasser

Wir liegen an Schwimmstegen. Das ist gut. Bei 2,9m Wassertiefe sind wir eingelaufen. Das Wasser steht im kleinen Hafen, kurz vor Oberkante Unterlippe! Wir packen uns regensicher ein und laufen eine Hafenrunde. Das müssen wir uns dringend mal ansehen!

Schon vom Steg sehen wir jetzt, knapp vor lokalem Hochwasser, daß wirklich wenig Luft noch nach oben bis auf die kleine Promenade ist. Das haben wir so noch nie gesehen. Da ist sonst meterweise Luft …

Wasserstand kurz vor Hochwasser

Zweimal läuft der KNRM-Kreuzer aus. Immer anscheinend eher kurze Einsätze, wenn die Crew zurückkehrt, dann strahlt der Hafen im hellen Scheinwerferlicht und und das Wasser wettleuchetet mit dem Licht aus den Riggs in schier karibischen Farben. Was für ein Gegensatz zum schneidend kühlen Wind.

KNRM- Hafenbeleuchtung

Die eigentlich schräge Rampe unseres Stegs, die wir normalerweise steil hinaufklettern, sie liegt nicht einmal mehr waagerecht. Es geht vielmehr leicht abwärts! Donnerwetter.

Schwimmstege – der Rampe geht AUFwärts

Wir lassen uns vom Wind durchschütteln und natürlich setzt leichter Regen ein, als wir im Hafen sind. 🤣 Angenehm ist anders … wir laufen eine schnelle Hafenrunde, dick eingepackt.

Wind- und wetterfest.

Auf der Hafenseite vorne an der Einfahrt sind wir überrascht, wie der Wind das Wasser hochtreibt. Es beginnt hinter den großen Pollern bereits, oben auf die Laufwege zu spülen. Mit Kraft wird es hochgeworfen und vom Winde verweht, sozusagen.

Land unter.

Gut ist die Installation der Elektrokästen. Man scheint darauf eingestellt – und alles Empfindliche scheint weit oben im silbernen Kasten installiert zu sein.

Stromkästen hoch.

Auch ansonsten ist man auf der Insel gut vorbereitet. Sandsäcke bereits gefüllt und auf Paletten stehend – klar zu Anheben. Uns schüttelt es – und wir laufen zurück zum Boot.

Vorbereitet.

Nach der Zeit im Wind scheint es jedesmal verlockender, an unser warm leuchtendes Heim wieder zurückzukommen. Uns ist kalt. 🙂

Warmer Rückzugsort.

Schnell setzen wir die Fender noch etwas um, justieren nach, da der Wind irgendwo zwischen Nordwest und West hin und herpendelt und sich der Anlagepunkt unseres Rumpfes leicht verschiebt.

Wir klettern an Bord zurück und freuen uns auf leckeres Essen, warmen Salon und eine weitere schöne Nacht an Bord.

Gut gepolstert.


Freitag, 02.01.2026

Heute ist … Strandtag! 🙂

Wir packen uns dick ein. Es fegt weiterhin ein wirklich Eisiger über die kleine Insel hier. Aus Nord bis Nordwest unverändert – und mit Windstärken um 6 im Mittel. Für uns ein klarer Fall, daß wir uns nach LEE … und damit an den Strand bewegen wollen.

Wir sehen hier auch das gewaltige, wenngleich vernichtende Werk der See … Das Wasser stand aus dem besonderen Hochwasser gestern gut erkennbar bis hoch an die Dünen. Viel abgebrochen und weggespült. Trotz Sicherungsmaßnahmen.


Schon vorne am Strand empfangen uns Besucher auf Zeit hier große und – wie wir finden – wichtige Hinweisschilder:

Hinweis für Strandbesucher.

Und sie sind derzeit vollkommen berechtigt, wie wir gleich sehen werden. Wenngleich uns persönlich die 30 Meter Abstand zum Zeehond eher sehr gering erscheinen.

Bei ruhiger Annäherung liegt die „Aufmerksamkeits- oder Fluchtdistanz“ dieser schönen Tiere nach unseren Photo-Erfahrungen eher bei 50 bis 100 Metern, wenn man sich leise nähert.

Bei schnellen Bewegungen oder Lautstärke sicher deutlich darüber, eher 200 oder 300 Meter. Allerdings gewöhnen sich die Tierchen sicherlich auch in gewissem Rahmen an die Anwesenheit von Menschen.

Alle Strandwanderer, die wir heute trafen, waren mit einer Ausnahme unheimlich umsichtig – und wie wir ganz sicher auch der Seesäuger wegen dort im kalten Wind. Das war Klasse.

Aber zunächst zurück zu unser eigenen Ankunft am schönen Strand von Vlieland-Oost und unserem eigenen Hund, den wir am Band mitbringen 😉 – uns ist schon klar, wie das in zwei Minuten hier ablaufen wird – und Mia sollte uns auch diesmal nicht enttäuschen:


Die Hunde anderer Leute, die wir sehen, betreten oft so würdevoll, gefaßt und ruhig den Strandbereich. Und sie schreiten dann hochherrschaftlich neben ihren Eignern längs … 😉 … unser Vieh hingegen nutzt die allererste Gelegenheit, um sich mit seinem dichten Fell plus Unterfell mal so RICHTIG & mit großer Freude im feuchten, feinen Strandsand zu wälzen.

Nichts zu machen – das ist immer so. Und bedeutet für Mia höchsten Genuß, für uns und alle Umstehenden große Freude und Amüsement beim Zusehen – und für MALA … ordentlich Sand in Cockpit und Salon später. 🙂 Schön! Die Show dauert in der Regel einige Minuten – danach haben wir ein Wattschwein am Band. Ein glückliches aber.

Unser Seehund …

Schon nach wenigen Metern merken wir – „Holla! Da hinter dem Baumstamm liegt schon der erste Seehund! Oha!“ Wir schleichen uns im Bogen runter zum Wassersaum, nur, um kurz danach unsere Bögen mit den anderen Strandwanderern zurück in Richtung Dünen und auf die dortigen Pfade zu verlegen. Denn es liegen einige dieser angekündigten Meeressäuger am Strand.

Auch Muttertiere mit ihren Jungen. Und alle genießen den Schutz in Lee der Dünen. Keins der Tiere hat auch nur den Kopf gehoben, als wir alle so staunend, flüsternd und knipsend an ihnen vorbeiliefen.

… lokale Zeehonden.

Wir laufen, in Summe knapp 3 wunderschöne und windige Kilometer durch die Dünenpfade und über weichen Strandsand. Ein Ausblick schöner für uns, als der nächste. Genießen ist angesagt.


Ein Blick rüber über das Seegatt nach Terschelling gibt uns einen Eindruck, was MALA morgen in aller Frühe erwarten wird, wenn wir die Rückreise ans Festland versuchen wollen.

Der Nordwind hat neben viel Wasser auch eine ganz ordentliche Welle mitgebracht. Diese beginnen, sich vor den untiefen Sänden vor Richel zunehmend aufzusteilen, bis sie übereinander stolpern und weiße Kronen entwickeln.

Ausblick.

Brrr – und da wollen wir wirklich hin & durch? Wir schauen uns gegenseitig etwas betreten an …

Durch die Dünenpfade kommen wir im Bogen langsam wieder auf die Hauptwege – und laufen nochmal rüber zum Außenstrand.

Weiter wollen wir nicht. Der steife Wind treibt den Sand flach vor sich her – das ist nichts für Vierbeiner, die genau auf dieser Höhe so ihre Augen haben … Und uns reicht es auch hin.

OOST.


Ein schneller Blick noch in Richtung ‚unseres‘ Seegatts.

Zum Abgewöhnen, oder?! Uns läuft es kalt den Rücken herunter bei der Vorstellung, da auch nur annähernd mit unserem kleinen Kutter drinstecken zu müssen … es hat Sinn, daß wir Seegatten bei solchen Bedingungen kompromisslos meiden.

Es scheint in Vergrößerung unser Bilder ein absolut wildes Chaos von brechenden Wellenkämmen mit unterschiedlichen Richtungen zu sein. Wie heranschäumende Wildpferde sehen die Wellen aus, die zornig ins Gatt herein galoppieren …

Wildpferde am Horizont im Seegatt.


Wir drehen uns um und laufen schnell den sandigen Dünenkamm Richtung Westen wieder herunter.

Was für ein Stimmungswechsel: Alles erstrahlt warm, beinahe windstill, während die orange Sonne versucht, noch ein paar schnelle Eimer warme Farbe über all die schöne Natur auszugießen. 🙂

Wir stoppen für einen schnellen wärmenden Schluck extra für Strandwanderer aus unser eigens dafür mitgeführten, flachen medizinischen Notfall-Flasche 😉 … und laufen dann zügig weiter in Richtung Hafen.

Denn am Horizont und in Windrichtung sind erste geballte Wolken bereits schon wieder gut erkennbar.

Sonnenlicht über Vlieland.

Heute bleibt MALAs Pantry kalt!„. Nachdem es keine Gegenstimmen gab, geht die gesamte Crew postwendend über Stag und in dem obenliegenden Hafenrestaurant „De Dining“ längsseits. Für uns zum ersten Mal.

Und mit 16:58 Uhr sind wir so ausreichend früh dran, daß wir trotz all der ‚Reserviert-Schilder‘ an den Tischen vorbeilaufen und uns einen schönen Fensterplatz aussuchen dürfen. Später laufen die vielen Gäste ein, die reserviert zu haben scheinen – aber da sitzen wir bereits zufrieden und satt beim Abschluß-Kaffee. Fein!

Wir werden verwöhnt und lassen den Spaziergang Revue passieren.

Zeit, gemeinsam und gut gefüttert ein wenig nach dem Wetter für morgen und Optionen der detaillierteren Törnplanung für unsere Rückfahrt nach Harlingen nachzudenken.

Wie das Wetter hier und jetzt ist, sehen wir eindrucksvoll an der Aussichts-Fensterscheibe, an der wir sitzen. Das geht ohne Worte ….

Wetter.

Blick auf morgen:

Aktuell heult uns hier noch ein Nordwest 6, in Böen 8 um die Ohren. Das ist nicht wegzudiskutieren. 😉

Das Barometer steht mittlerweile wieder kurzfristig bei 1007hPa. Und es soll morgen auf 992hPa fallen. Es sind noch etwa 5-6°C. Und es schauert.

Für morgen haben wir uns eine frühe Abfahrtzeit rausgesucht, um mit der Tide nicht zu sehr in Konflikt zu geraten … und eigentlich, weil der Starkwind da für drei bis fünf Stunden etwas Pause machen … sollte.

Die Wettermodelle sind sich uneins. Die Streuung ist allerdings überschaubar. Auch die zeitliche.

In der Windrichtung sehen alle etwas um Nord-West. EMCWF geht von 20 Knoten im Mittelwind und 24 Knoten in Böen aus. ICON-D2 ’sieht‘ 17, 11, 18, 11,12, 14kt zwischen 7 Uhr und 12 Uhr voraus, mit Böen zwischen 20 bis 28 Knoten.

Windvorhersagewahrsagungsfabelvergleich:

Such‘ Dir was raus, Schiffer …

Wir werden uns mit einer Abfahrtzeit zwischen 7 und 8 Uhr morgens hier arrangieren wollen, wie es aussieht. 07:30 Uhr Leinen los ist festgelegt.

Bis etwa 11:30 Uhr werden wir den letzten Reststrom „mit“ der einlaufenden Tide voraussichtlich dann auch wirklich endgültig aufgebraucht haben.

Ab 10 Uhr dürfte es uns in Blauwe Slenk bereits beginnen, entgegen zu laufen. Ab da ergeben sich diese nicklichen kleinen „Wind-gegen-Strom“ Wellen, die uns manchmal beim Segeln das Anliegen der nächsten Tonnen so erschweren.


Hochwasser Harlingen wird morgen um kurz vor 9 Uhr liegen. Um 08:50 Uhr präzise. Zwei Tage vor Springzeit, mit einem Wasserstand der mit knapp 2,9m um gute 50cm höher ausfällt, als ’normal‘. Da wird also Bewegung drin sein.

Es sind etwa -2°C vorhergesagt, die kalte Seite des Tiefs weit nördlich von uns beginnt sich durchzusetzen. Deutschland erreichte sie auch, wie wir von den Kindern hören, die bereits in ordentlich Schnee zu stecken scheinen.

Gefühlt sollen es um -10°C sein, sagen die Wetterfrösche. Es ist also wohl windig 😉

Das wird voraussichtlich eine knappe, kalte, kabbelige und windige Überfahrt werden, soviel dürfen wir heute als sicher annehmen.


Die wunderschöne Lichterkette werden wir nachher kurz vor Mitternacht noch versuchen im strammen Wind heile herunter zu bekommen.

MALA wird unter Deck komplett seeklar gemacht, wir legen die x-fachen „Zwiebelschalen“ an Winterkleidung bereits raus und verfüllen kochendes Wasser für Suppe und Tee in Thermoskannen.

Die gedoppelten Landleinen lassen wir dran. Die Route ist fertig. Unsere Abstimmungen zu Segeln, erwarteten Segelmanövern ebenfalls. Alle an Bord werden angeleint sein.

Morgen in aller Frühe und im Dunkeln wollen wir versuchen so viel Zeit, wie möglich zu sparen. Nur wach werden, anziehen, mit dem Hund laufen, Deck aufklaren und Systeme starten – dann direkt raus.

Diesmal wird das mit Info & App von KNRM / DGzRS sein. Das wird was.


Samstag, 03.01.2026

06:15 Uhr. Die Wecker schrillen um die Wette. Wir liegen in den warmen Kojen, werden gaaaanz langsam wach – und beginnen die Umgebung wahrzunehmen. Tief eingerollt unter den dicken Decken.

Es ist noch stockdunkel. Und windig. Die einfallenden Böen heulen im Rigg. Wasser platscht an MALAs Rumpf. „Und wir sollen wollen da jetzt raus??„. Ernsthaft? 😉


MALA ist unter Deck komplett seeklar. Alle Systeme laufen bereits. An Deck sind wir noch nicht soweit. Jetzt kommt erstmal unser obligatorischer Hundespaziergang, der ist schöne Pflicht.

Und eine gute Gelegenheit, auch unsere Nasen in den Wind zu halten & ein erstes Gefühl zu entwickeln, wie es denn draußen tatsächlich so ist.

Die Wettervorhersage – hier trifft derzeit „ICON-D2“ für uns am Besten – hat Recht. Und die Gelegenheit ist sowohl perfekt günstig, als auch zeitlich eher knapp bemessen, angesichts der Strecke, die wir heute laufen wollen.

Letzter Wettercheck – dann Deck und Leinen vorbereiten.

Ebenfalls die zwei anderen Segler im Hafen kommen zu ähnlichen Schlüssen anscheinend – und kriechen bereits langsam aus dem winterlichen kleinen Hafen, während die Vorschiffs-Crew im dämmerigen Schein der Fahrbeleuchtung das Verdeck aufklart.

Alles, was erst etwas später nach der Wind- und Wellenabdeckung draußen noch gemacht werden muß, wird erheblich schwerer fallen, als im geschützten Vorhafen.


Um etwa 07:45 Uhr geht auch unsere Maschine an. Wir lösen so langsam das Gestrick doppelter Leinen und Springs und sammeln die reihenweise an der Reling bammelnden Fender ein.

Bis auf einen Ballonfender und eine Spring, die wir gleich noch benötigen.

Gegen den böigen Wind tun wir uns anfangs schwer, MALA in ihrer Box so hinzulegen, daß wir in unsere bewährte Spring eindampfen – und dann in einer kurzen Windpause den Liegeplatz gegen den Wind schnell und sicher verlassen können.

Letzte Landleine – „klar zum Fieren!“ – 08:10 Uhr

Die gesamte Operation im Dunkeln dauert deutlich länger, als wir gestern Abend im warmen Salon abgeschätzt hatten. 😉 Wie so oft …

Erst um 08:10 Uhr gelingt es uns in einem beherzten Schwung die letzte Leine in einer kurzen Windpause abzuwerfen und MALA aus der Boxengasse zu schieben.

Dafür sind wir sonst bereits fertig und noch vor der schmalen Hafenausfahrt ist alles „seeklar“ an Bord.

Hafenausfahrt – dunkel.

Nur wenig sind wir damit zeitlich hinter unseren vorab geschätzten Zeitplan am Start – aber unterwegs. 🙂 Dick eingepackt gegen Wind & Kälte – und entsprechend unbeweglich 😅 – das gehört dazu.

Die Fahrwassertonnen geben blinkende Orientierung.

Es ist herzlich blau-grau-dunkel. Kaum etwas kann das Auge derzeit im Stockfinstern auflösen. Die rot und grün leuchtenden Tonnen geben unsere Richtung vor, das Radar macht am Plotter auch die Tonnen sichtbar, die kein leuchtendes Krönchen für uns tragen.

In wenigen Minuten werden wir unseren Bugspriet um die östliche Huk von Vlieland herumgehalten haben. Spätestens dann trifft uns neben dem ungebremsten Wind dann auch die Welle aus dem Seegatt.

Wir entscheiden zu spät, daß zumindest das Groß als Stützsegel trotz der Meile Motorfahrt gegenan wohl eine gute Idee wäre. Gewesen wäre … denn jetzt bereits ist es zu spät.

Früher als gedacht und noch vor dem Tonnenstrich, der sich dicht am Sandstrand entlang windet, erreicht uns die kabbelige Welle. Da wollen wir nicht mehr auf’s Vorschiff. Also laufen wir das das Stück unter Maschine noch weiter. Eleganter wäre es anders gewesen …


In See – Navigator und Steuerhannes …


Wir haben eine recht ordentliche Vorstellung davon, worauf wir uns gleich einlassen wollen. 🙂

Der angekündigte Schneefall (im nachstehenden Bild) zeigt, daß wir uns in wenigen Minuten nachdem MALA ihren Bugspriet um die Insel herum und in den Nordwest halten wird, auch über nennenswert Schnellfall-Ausläufer freuen dürfen. 🙂

Vorschau & was wir draus machen:

Die Graupelschauer kommen wie angesagt. Der Steuermann verschwindet tief in seinem Ölzeug. Sowas muß man im Dunkeln und bei Schneeschauern dabei stramm im Gesicht … wohl echt mögen. 😉

Die dicke alten Welle steht aus dem Gatt voll drin und verstolpert sich spektakulär an den zunehmend flacher werdenden Sänden vor Richel. Aufgesteilte Wellen sind die Folge, die nur darauf warten, die Crew im Moment kurzer Unaufmerksamkeit klatschend zu duschen.

MALAs Deck ist nach jedem Bocksprung graugrünblau überwaschen bis zum flachen Deckshaus. Die Gischtflagen vom Bug wehen nach Sekundenbruchteilen nadelig ins Gesicht des hadernden Rudergängers, der leise fluchend den Kurs aber noch nicht nach Lee korrigieren darf …

Mist, wenn man sich mal etwas zu spät andächtig verneigend und schutzsuchend tief wegbückte … es war … unterhaltsam. 🤣 Und erfrischend.

Schneeschauer am Seegatt.

Aber es wird besser. Wesentlich angenehmer. Heller auch vor allem.

Und nachdem wir den „S-Schlag“ unseres Kurses um Richel herum im Kielwasser liegen haben, werden die Bedingungen durchweg freundlicher.

Wetterbesserung voraus.

Wir können das Radar abschalten. Die kommenden Stunden werden eher schön und mit guter Sicht sein. Bis es wetterseitig mit der nächsten runde Schnee & Wind wieder losgeht, sollten wir hoffentlich schon sicher und gut in unser Box liegen.

Radar als Backup & die Flotte der mit uns laufenden Boote.

MALA liegt bereits vor einfach gerefftem Groß und Fock vor dem Wind. Von Terschelling aus rauscht die Flotte der Segler, die ebenfalls die gute Gelegenheit nutzen, auf uns zu und vor uns her.

Tageslicht zeigt sich. Ein streckenweise richtiggehend lieblicher Segeltag entfaltet sich vor uns. Von Backbord voraus, strömen nicht nur die Terschelling-Boote auf uns zu, nein, auch warmes Sonnenlicht wird eine kurze Zeit reflektierend und belebend über der Waddenzee ausgegossen.

Goldig. Für uns: Traumhaft schön!

Während der Rest der Crew ruht und aufwärmt, genießt der Steuermann leise und mit heißem Kaffee sein Glück voraus. MALA liegt stabil unter dem gerefften Groß, das mit den roten ‚Preventer-Leinen‘ am Baum festgenagelt gut steht und von der kleinen Fock. flankiert wird.

So läßt sich hinsichtlich unbeabsichtigter Patenthalsen auf MALA sehr risikoarm auch bei Wind & platt vor’m Laken noch dicht an der Windkante steuern, um die vorausliegenden Fahrwassertonnen anliegen zu können.


Wattfahrt – Planung.

Der Strom beginnt bereits, leicht gegenan zu stehen. Das wird heute so bleiben und weiter zunehmen. Es ist das Dreieck aus „Tidenstrom – Windsituation – Tageslicht„, das sich aufspannt und stets gegenseitig bedingt. Will man eine der Dreieckseiten davon gerne anders wählen, dann bekommt man für die beiden anderen Eigenschaften postwendend die Rechnung in gleicher Münze serviert 😉

Für uns in unseren Wattfahrtplanungen (vor allem auch im Winter) ist das ein ständiges Abwägen gegeneinander. Und es kommen oft noch z.B. „Brückenöffnungszeiten„, „Schleusenzeiten„, „Wattenhochs mit Passagezeiten“ oder „Seegatten und Durchfahrtzeiten“ dazu, die unsere kleinen Törnplanungen beliebig weiter würzen. Wir lieben das sehr.


Zurück an Bord: Hier bricht jetzt noch einmal so richtig der ‚Sommer‘ aus. 😄

Honigkuchenpferdchen.

Wir segeln vergnügt vor uns hin, bis die Skipperin von unten meldet, daß die Navigationsbank vom Generator nicht geladen wurde. 🤬🤬 Mist. Irgendwas ist wohl immer auf diese Booten …


Der Fram haben wir ein schönes Bild von MALA unterwegs zu verdanken!

Der Rudergänger (alleine an Deck gelassen 😉 …) nutzt die Gelegenheit und setzt was er kann, um dem jetzt erwarteten leichten achterlichen Wind jeden Knoten Fahrt noch abzuringen.

Und auch, um dem zunehmend anwachsenden Ebbstrom möglichst viel entgegenzusetzen. Die Fram, die uns passiert, ist trotzdem deutlich schneller.

Für Leichtwind mit lediglich ein paar Knoten brauchen wir einfach unsere bunten Segel, dann läuft MALA. Das aber traut sich der Steuermann nicht, mitten im Winter & während der Rest der Crew doch entspannt ruhen soll … 😉

Endspurt.

Endspurt in der wärmenden, tiefstehenden Sonne. Kurz vor Harlingen, im Pollendam läuft bei uns stets wie angeraten unsere Maschine mit. Das kleine Sportboot-Fahrwasser, das außerhalb Rot – Grün dann gelb betonnt vor den nahen Sänden liegt, ist hier recht eng.


Dann geht unser kleiner Silvester-Ausflug schneller zu Ende, als wir gucken können. In der Zufahrt vor Harlingens Hafen bietet sich noch die Gelegenheit die Segel zu bergen und sauber aufzutuchen. Das machen wir gerne.

Während eine größere Alubat, die Best, an uns vorbeiläuft und auf den Hafen zuhält. Wie wir später beim Klönschnack in der Schleuse erfahren, auf dem Weg weiter bis nach Grou noch, von Terschelling kommend.

HARLINGEN.

Für uns ist das vorauseilende Boot diesmal extrem praktisch 🙂 – müssen wir doch lediglich am Funk gut zuhören, die Arbeit macht die freundliche andere Crew für uns. Das ist Luxus. 😉

Im Hafen, für den uns Best auf VHF 11 ankündigt, wird darauf hingewiesen, daß zwei Großschiffe dort mittendrin manövrieren – wir aber angepaßt durchlaufen können. Siehste wohl, zuhören lohnt sich. 😉

Wir umlaufen gemeinsam den ellenhoch ragenden Bug des großen Schiffes direkt an der Seite der roten Tonnen, und laufen um die Biegung auf unsere Schleuse zu.

Empfangen von dem bereits dreimal laut tuuuuutenden Tiger denn die Schnellfähre macht direkt nach uns bereits Dampf auf und Fahrt achteraus. Es beginnt, am Heck kräftig zu schäumen und wir schauen, daß wir weiter zügig aus dem Weg kommen. Fahrplan halt …

Auf dem Arbeitskanal VHF 22 der Schleuse läßt sich Gesche noch kurz bestätigen, daß auch wir direkt nach der Best mit reinlaufen dürfen – und schon winken wir unser geliebten winterlichen Waddeenzee noch einmal zu, während die Schleusentore hinter MALA bereits schließen. 😢🥲


Irgendwie auch immer etwas traurig, so ein Ende unser kleinen Törns und Fluchten. Aber noch ist unsere Zeit, für viel längere ausgedehnte Segeltörn nicht gekommen. Wir hoffen aber von ganzen Herzen drauf.

Abschied – aber auf hoffentlich nur kurze Zeit …

Wenige Minuten später und nach Austausch der besten Wünschen zwischen den beiden Alubooten winken wir, biegen rechts ab und liegen vor unser Klappbrücke.

Der Hafendienst in Harlingen hat alle Hände voll zu tun, wie wir hören.

Mit der Vielzahl der von draußen noch reinkommenden Sportboote einerseits – mit einer störrischen Brücke da drüben andererseits. Wir werden um Geduld gebeten.

Die haben wir. Mit etwas scheelem Seitenblick auf unser Wetterradar.

Warteposition.

Eine ¾ Stunde und zwei Becher gut verbrämten Warte-Tees später dürfen wir mit gelungenem finalen Manöver für heute unseren schönen Winterausflug für uns krönen.

Um 14:10 Uhr liegen wir erleichtert & glücklich fest und wohlbehalten in der Heimatbox. Wir melden uns bei KNRM-App und vor allem auch unser Landcrew wieder ab und heile zurück.

Lediglich 30 Minuten später ist bereits alles aufgeklart und das Boot windfest in doppelten Leinen und Springs in die Box gehäkelt 👍 Top!

Ich gieße mir erwartungsfroh Rum im Tee nach. Und suche schon nach der Schokolade … 😇


Die angekündigten Windwalzen kommen langsam heran. Wir sehen erste Wolkenberge, wie sie sich dunkel am Himmel bereits hoch auftürmen. Es hätte jetzt nun SO (verdient 😉) erholsam werden können … Aber nein.

Die vorausschauende Skipperin & Wetterfee vom Dienst rief um 15:03 Uhr plötzlich wild entschlossen auf, die Vorsegel doch heute noch fix runterzunehmen!  Die sind für den Segelmacher dran & wir haben nur ein paar Minuten vor dem Wetterzusammenbruch um etwa 16 Uhr! „Fix, auf! Schnell nu‘ …“

Und schnell machen wir.

Bestzeit. 15:58 Uhr, zwei Segel in ihren Segelsäcken sauber verpackt und bereits zur Werft rübergerollt, zwei Rücken leise jammernd, alle Fallen gut gesichert – und die ersten Hagelkörner fallen. Und wie!

Haben wir ein Glück gehabt!! Das hätte uns auch knapp mitten im Segelfalten und Herunterziehen noch treffen können. DANKE also für die guten Wünsche unterwegs & heute, die uns erreichten – sie haben diesmal gut gewirkt! 🥂


Den Nachmittag schlafen oder dösen wir zunächst fast zwei volle Stunden auf den Polstern im warmen Salon und feiern später ausgiebig unseren gut gelungenen winterlichen Törn.


Sonntag, 04.01.2026

Heute Morgen feiern wir schon wieder. Diesmal den Schnellentschluß der Skipperin von gestern nochmal ganz besonders. Denn das Segel-Abschlagen wäre eigentlich für heute drangewesen.

Es wird gar nicht richtig hell„. Kein Wunder:

Der Morgen empfängt uns mit dichter Schneedecke auf MALAs gut isoliertem Deck – und etwas Schnee auf Steg und Natur rundum. Auf den Luken liegt Schnee und Graupel. Ein Paradies für unseren Seehund, der bereits drängelt – und dann in bewährter Manier … genießt. 🥰

Hochgenuß.

Gut, daß wir heute keine Segel mehr abzuschlagen haben! Wir gehen nahtlos zu Kaffee und kleineren Basteleien an Bord über.

Unter anderem arbeitet Gesche unsere selbstgenähten Winschhauben auf, damit sie in der kommenden kalten und windigen Winterzeit auch brav alle an ihren Plätzen sitzen bleiben. Viel werden wir sonst ganz beabsichtig nicht mehr tun.

Bordbasteleien.

Für morgen früh ist ein Treffen mit unseren Freunden von der Werft vorgesehen. Da bekommen wir auch Frostschutz, um MALA dann winterfest zu machen. Alles weitere werden wir sehen …


Da, wo wir ‚eben‘ noch durchliefen, herrscht heute Morgen auf unserem Spaziergang echter Winter und dichtes Schneetreiben. Wir sind sehr beeindruckt und fliehen fix wieder in unseren warmen Salon.

Winter


Für heute Abend geben wir uns nochmal ausgiebig dem Kulinarischen an Bord von MALA hin. Das beliebte „Pantry-Reste-Essen“ steht an. 😁 Das steht bei uns immer besonders hoch im Kurs – und MALAs Vorräte geben rund ums Jahr stets ausreichend Gutes her …

🙂


Unser Abendspaziergang heute für Mia wird uns lange in Erinnerung bleiben. Dichtes Schneetreiben – weiß, rutschig und für uns wirklich sehr eindrucksvoll. Und ein wirklich schöner Abschluß für heute.

Abendspaziergang – drei Segler im Schnee. 😅


Hier schreiben wir später gerne noch weiter fort …

In diesem Sinne,

A l l e r b e s t e   G r ü s s e
   –   C r e w  v o n   M A L A   A l h e n a    –

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